Ulrike Stahl – Das neue WIR

Paradigmenwechsel: Kooperieren mit dem Wettbewerb! Warum nicht?


Ulrike Stahl – Das neue WIR

Friedrich-Franz-Str. 19
14770 Brandenburg an der Havel
Tel.: 03381/3159022
E-Mail senden
www.ulrike-stahl.com > Unternehmensprofil

Tags zu diesem Artikel

#kooperation #Wettbewerb #Paradigmenwechsel #Das neue WIR #Entrepreneurship

Konkurrenzlos erfolgreich zusammenarbeiten – sogar mit dem härtesten Wettbewerber? Was unglaublich klingt, haben zwei große deutsche Automobilhersteller wahrgemacht – und damit einen unvermeidbaren wirtschaftlichen Paradigmenwandel eingeläutet: Weg von der Konkurrenz, hin zur Kooperation und so zu einem neuen WIR im Business.

„Die Zukunft ist nicht ein Ort, an den wir gehen, sondern ein Ort, den wir gestalten. Die Wege dorthin werden nicht gefunden, sondern geschaffen.“ John Schaar

Im Jahr 2019 überraschten Mercedes Benz und BMW – offensichtlich nach langen geheimen Verhandlungen – mit einer Nachricht: Die Bündelung ihrer Mobilitätsdienste in fünf gemeinsame Firmen soll nur der Beginn einer weitreichenden Kooperation im Bereich autonomes Fahren und E-Mobilität sein.

Die „Welt“ schrieb dazu: „Die Kooperation markiert einen epochalen Wandel“. Vollkommen zurecht! Ja, unser aller Weltbild kommt ins Wanken. Was ist da los, wenn jetzt schon Konkurrenten zusammenarbeiten? Schwächeln die Unternehmen etwa? Ganz im Gegenteil: Kooperieren ist stark und intelligent!

Und auch der Grund ist nachvollziehbar: Die Automobilindustrie steckt in einer grundlegenden Transformation. Technische Herausforderungen, harte Marktbedingungen, völlig neue Produkte und Services jenseits vom einfachen Autoverkauf, fordern hohe Investitionen und außerordentliche Innovationskraft. Alleine wären beide Unternehmen langsamer und könnten die Entwicklungskosten schwer oder gar nicht stemmen. Also wagten sie einen vollkommen neuen Weg.

Was Hochsprung mit unserer Arbeitswelt zu tun hat
Ein ähnlich bedeutender Paradigmenwechsel vollzog sich 1968 im Sport: Dick Fosbury revolutioniert den Hochsprung. Er springt mit dem Rücken zur Latte – wie noch keiner vor ihm. Als er mit diesem Stil bei den Olympischen Spielen in Mexiko antritt, lacht die Konkurrenz über den gewöhnungsbedürftigen Bewegungsablauf. Um dann zu erleben, wie sich Fosbury die Goldmedaille holt.

Genauso wie ihm, ergeht es momentan vielen Unternehmen: So sehr wir uns anstrengen, scheint es doch oft, als wären wir nicht schnell, innovativ oder leistungsfähig genug. Also mehr anstrengen? Härter arbeiten? Mehr pushen? Auch Dick Fosbury kam trotz hohem Trainingsaufwand mit den vorhandenen Techniken nicht weiter. Anstatt mehr vom selben zu tun, wagte er etwas Neues – und der Erfolg gab ihm Recht.

Das Kooperationspotenzial vielfältig nutzen
Wer in der heutigen schnellen und vernetzten Welt erfolgreich sein will, muss – wie Dick Fosbury – umdenken und umlernen. Kleine und große Unternehmen haben viele Möglichkeiten, ihr Kooperationspotenzial sinnvoll und erfolgsstiftend zu nutzen – beispielsweise auch mit andersartigen Unternehmen.

Die Firma Heinz verarbeitet Tomaten zu Ketchup. Von zwei Millionen Tonnen Tomaten jährlich bleiben nur Haut und Stiele übrig. Und dann gibt es da die Firma Ford, die seit vielen Jahren zu pflanzenbasierten Kunststoffen forscht. Die Grundlage einer für beide Seiten nützlichen Kooperation: Heinz spart sich Entsorgungskosten und Ford erhält Material für seine Forschung. Idealerweise kommt das Wissen von Ford wieder zurück zu Heinz, die ihre Plastikflaschen nachhaltiger herstellen können.

„Gehen uns dadurch nicht Kunden verloren?“ Die Frage, die uns oft hemmt zu kooperieren, stellt sich hier nicht.

Die vier Ko-Intelligenz-Treiber
Ob direkte Wettbewerber, wie Mercedes Benz und BMW, zwei Unternehmen, die sich markttechnisch nicht in die Quere kommen, wie Heinz und Ford oder sogar gleichartige Unternehmen mit regionaler Distanz, wie eine Fitnesskette in Norddeutschland, die mit einer Fitnesskette in Süddeutschland kooperiert und allen Mitgliedern – beispielsweise auf Reisen – anbietet, zukünftig in allen Studios zu trainieren. Wer sich dem Paradigmenwandel stellt, wird den Austausch und die Kooperation aktiv suchen. Wie das gelingt? Indem wir ko-intelligent werden. Und das gerade dann, wenn es schwierig wird oder wir unter Druck stehen. Vier Ko-Intelligenz-Treiber unterstützen uns dabei:

1. Gemeinsamkeit
Indem wir den Fokus immer wieder darauf lenken, dass wir gemeinsam weiterkommen als alleine. Verbunden mit der Bereitschaft, auch mal auf einen schnellen, individuellen Gewinn zu verzichten, um langfristig gemeinsam mehr zu gewinnen.

2. Wertschätzung
Positiv anerkennen, dass wir von anderen Expertisen, Vorgehensweisen und Unternehmenskulturen profitieren können. Wohlwissend, dass es immer wieder auch eine neue Herausforderung ist, mit Andersartigkeit umzugehen.

3. Vertrauen
Das Zauberwort heißt Vorschussvertrauen. Nur wenn wir davon ausgehen, dass die anderen Beteiligten sich selbstverständlich auch kooperationsfördernd verhalten werden, sind wir bereit, alles zu geben. Nur dann kann aus eins und eins drei oder noch viel mehr werden.

4. Offenheit
Innovation findet nicht im Elfenbeinturm des Experten statt. Sie entsteht, wenn verschiedene Disziplinen zusammenkommen und Wissen geteilt wird. Neben dem Dialog fördern neue Methoden wie Design Thinking diesen Prozess aktiv.

Was hält uns also davon ab, zu kooperieren?
Neben dem tief verinnerlichten Wettbewerbsprinzip halten uns drei B-Faktoren davon ab, aktiv zu kooperieren:

Zu bequem. „Wir machen unsere Sachen schon immer so, wie es für uns richtig ist. Kommt jemand anderes dazu, müssten wir uns auf dessen Art und Weise, einen völlig neuen Weg einstellen. Das birgt ja auch ein Risiko, oder?“

Zu beschäftigt. „Kooperieren? Klar wäre das super, aber uns steht die Arbeit eh bis hier oben. Wir machen das, wenn wir mal Zeit haben.“

Zu blauäugig. „Das ist sicher nur so eine Welle. Die geht auch wieder vorbei. Das Konkurrenzdenken hat uns bis hierhergebracht – und wird uns sicher auch weitertragen.“

Nein gerade nicht! Jetzt gilt es, andere Wege zu gehen und die neue Technik der Kooperation zu lernen. Denn alleine sind wir zwar flexibler und unabhängiger, aber auch nicht mehr in der Lage oder schnell genug, die komplexen Herausforderungen der modernen Wirtschaft zu lösen.

Die Pluspunkte der Zusammenarbeit liegen auf der Hand: Gemeinsam können wir Synergien nutzen, Ressourcen schonen, Expertenwissen vernetzen und so weiterkommen als alleine. Gemeinsam sind wir schnell, intelligent und innovativ – also einfach stärker.