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Wirtschaftsredaktion

Mittelstands-Check 2019: Zehn Forderungen an die Politik


Berlin (em) Die aktuelle Politik von Rot-Rot-Grün ist nicht auf eine Stärkung des Mittelstands ausgelegt. Zu diesem Ergebnis kommt das Kompetenzteam Mittelstand der IHK Berlin in seinem jetzt veröffentlichten Mittelstandscheck. Für die Analyse hat das Kompetenzteam Mittelstand zehn für mittelständische Unternehmen relevante Projekte und Politikfelder untersucht. Das Kompetenzteam Mittelstand ist ein ehrenamtliches Gremium der IHK, in dem sich insgesamt 14 Berliner Unternehmer zusammengeschlossen haben. Aus der Analyse leiten die Mitglieder des Kompetenzteams darüber hinaus zehn Forderungen ab, wie eine mittelstandsfreundliche Politik in den einzelnen Politikfeldern aussehen sollte. Die untersuchten Projekte und Politikfelder sind u.a. die Vergabepraxis des Landes, der Zukunftspakt Verwaltung, das CityLAB Berlin, die Themen Bildung, Cybersicherheit, Mobilität und Wirtschaftsverkehr. Den größten Handlungsbedarf sieht das Kompetenzteam Mittelstand im Bereich der Verwaltungsmodernisierung. Die ineffiziente Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Wirtschaft ist ein zunehmendes Entwicklungshemmnis. Mit Blick auf den Wirtschaftsverkehr fordern die Unternehmer, diesen nicht weiter zu vernachlässigen, sondern eine Gesamtstrategie umzusetzen, die über die Einrichtung gesicherter Radwege hinausgeht. Ähnlich kritisch bewertet das Kompetenzteam die Vergabepraxis des Landes sowohl bei den Rahmenbedingungen, als auch bei der Ausstattung der Verantwortlichen. Um die Innovationskraft in der Stadt zu halten, fordern die Unternehmer darüber hinaus mehr Ressourcen für den Wissenschafts- und Technologietransfer an den Berliner Hochschulen. Sebastian Stietzel, Vorsitzender des Kompetenzteams Mittelstand und Mitglied des Präsidiums der IHK Berlin: „Der Mittelstandscheck über zehn Politikfelder zeigt, dass die Politik von Rot-Rot-Grün derzeit nicht die Stärkung des Mittelstandes zum Ziel hat, obwohl kleine und mittlere Unternehmen das Rückgrat der Berliner Wirtschaft sind. Sie brauchen eine Wirtschaftspolitik, die ihre Entwicklung fördert, Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung aufgreift und Bürokratie auf ein Mindestmaß reduziert. Eine moderne Verwaltung, ausreichend Gewerbeflächen, gute Schulabgänger und Fachkräfte, aber auch Freiräume für Lieferverkehr und eine gute Verkehrsanbindung für die zahlreichen Mitarbeiter unserer Unternehmen sind das A und O. Die verbleibende Zeit in der Legislatur muss der Berliner Senat nutzen, um seinen Kurs zu korrigieren und seiner Verantwortung für den Mittelstand gerecht werden.“ Unternehmer-Statements zu den 10 Politikfeldern Zukunftspakt Verwaltung Christian Pletz, Werner Pletz GmbH: „Alle Investitionsversprechungen unserer Auftraggeber bringen nichts, so lange die Verwaltung der Flaschenhals der Bauwirtschaft ist. Bitte aufwachen, Fuß von der Bremse und Vollgas!“ CityLAB Berlin Carsten Gottert, etomer GmbH: „Die Berliner Verwaltung ist wichtig für unsere Stadt. Verwaltung und Innovation sind hierbei kein Paradoxon. Aktuell fehlen jedoch Impulse innovativer Unternehmen, um die digitale Transformation der Verwaltung und damit der gesamten Stadt zu meistern.“ Unternehmenskonto Thomas Dreusicke, INDIA Tastenfabrik Berlin: „Das Unternehmenskonto hat das Zeug dazu, den Amtsschimmel aus den Stuben zu vertreiben. Dafür muss ihm die Verwaltung aber noch kräftig die Sporen geben.“ Ausschreibungs- und Vergabepraxis Christian Rücker, ARDOR SE: „Aktuelle öffentliche Vergaben erfolgen vergangenheitsorientiert und bilden weder die Leistungsfähigkeit noch ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis ab. Der günstigste Bieter kann weder nachhaltig noch qualitativ gut sein.“ Bildung/Fachkräfte Philipp Zettel, Neue Werte: „Unser Duales Ausbildungssystem lebt davon, dass die Schulen aktuelles Wissen vermitteln. Daher brauchen wir die Digitalkompetenz auch in den Berufsschulen - nur so wird die Wirtschaft auch weiter wachsen.“ Hochschulkooperationen mit dem Mittelstand Dirk Hofmann, Dain Studios: „Unser Erfolg als KMU im Bereich Künstliche Intelligenz hängt elementar vom engen Austausch mit der Wissenschaft ab. Im Vergleich zu anderen Ländern fehlt es uns an einfachen Zugängen und einem gemeinsamen Zielbild.“ Cybersicherheit Sonja Jost, DexLeChem: „Die systematischen Cyberangriffe, die von Nationen wie China finanziert, geleitet und durchgeführt werden, sind mittlerweile so massiv, dass sie ein nationales Sicherheitsrisiko darstellen. Wir können hier schon lange nicht mehr von rein kriminellen Handlungen sprechen. Wissensintensive KMU und Startups werden ausgeblutet und haben keine Chance, sich dagegen zu wehren – und keiner schützt uns!“ Verkehrsanbindung/ÖPNV Silvio Schobinger, Goerzwerk: „Für meine Mieter, ob klein oder groß, ist es auch der Wettbewerb um Fachkräfte, der die Entwicklung limitiert oder beflügelt. Die gute Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes ist hierbei ein wichtiges Argument und damit echter Wettbewerbsvorteil.“ Wirtschafts- und Lieferverkehr Steffen Setzer, Flyeralarm: „In einer wachsenden Stadt muss der Lieferverkehr zeitlich und örtlich geregelt werden. Ein Leben und Arbeiten ohne Verbrauchs- und Handelswaren ist nicht möglich. Die Politik muss hier mittels klarer Rahmen die Versorgung sichern.“ Gewerbeflächen Oliver Rothe, HORIBA Tocaredo GmbH: „Das Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand erfordert Freiraum - dies gilt auch am Standort Berlin. An den dynamischen Technologiestandorten unserer Metropole muss die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen jetzt ausgeweitet werden.“ Quelle: www.ihk-berlin.de | Industrie- und Handelskammer zu Berlin | 19.11.2019 | Foto: © IHK Berlin

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