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Schleswig-Holstein
Agentur für Arbeit

Wintersaison: Moderater Anstieg der Arbeitslosen im Dezember im Kreis Pinneberg


© Pixabay
Zum Jahresende ist die Arbeitslosenzahl – saisonal üblich - leicht gestiegen. Trotz des derzeit warmen und frostfreien Wetters beginnen viele saisonabhängige Betriebe, ihre Personalmannschaft auszudünnen. 

„Ab Dezember melden sich mehr Beschäftigte aus dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe, dem Garten- und Landschaftsbau vorübergehend arbeitslos, hinzu kommen Saisonaushilfen aus der Produktion und dem Versand. Auch im kaufmännischen Bereich laufen befristete Arbeitsverträge häufig zum Jahresende aus“, sagt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn. „Der winterliche Anstieg der Arbeitslosigkeit wird uns über die kommenden Wochen begleiten. Erst mit der Frühjahrsbelebung im März rechne ich mit sinkenden Zahlen.“ 

Wie stark die saisonale Arbeitslosigkeit ausschlägt, hängt auch von den Temperaturen ab. Ein milder Winter führt in der Regel zu einem „milderen Anstieg“ der Arbeitslosigkeit, da mehr witterungsabhängige Gewerke durcharbeiten können. 

Die Stellenmeldungen der Unternehmen blieben fast auf dem Niveau des Vormonats. Mehr Personalnachfragen kamen im Dezember aus dem Handel und dem produzierenden Gewerbe. Eine gute Qualifikation bleibt bei der Arbeitssuche ein Trumpf - für über 80 Prozent der aufgegebenen Jobangebote wird ein Berufsabschluss vorausgesetzt. 

„Die Arbeitssuche kann auch in der Wintersaison erfolgreich sein, darum jetzt nicht nachlassen! Weiterhin gibt es viele offene Arbeitsangebote in den Unternehmen. Arbeitsagentur und Jobcenter helfen auch in 2023 mit Beratung, Qualifizierung, Praktika und finanzieller Unterstützung, damit Jobs und Menschen in unserer Region zusammenkommen“, erklärt Thomas Kenntemich. 
 
 
Rückblick 2022: Neue Herausforderungen treffen auf stabilen Arbeitsmarkt 
Den Blick zurück auf 2022 bestimmen Schlagzeilen zum Russland-Ukraine-Krieg, zu Materialengpässen, steigenden Energiepreisen oder Angst vor Rezession. Und der Arbeitsmarkt? Im Kreis Pinneberg sind zum Jahresende mit 8.867 Menschen 9,2 Prozent mehr im Dezember 2021 arbeitslos gemeldet. Doch der Arbeitsmarkt 2022 war stabiler als der Eindruck dieser Zahlen vermittelt. Dies verdeutlichen besonders zwei Aspekte:

Aspekt 1:
Der Kreis Pinneberg hat eine große Anzahl von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine aufgenommen. Zum Juni hat das Jobcenter die arbeitsmarktliche und existentielle Betreuung übernommen. Dadurch sind aktuell 613 Arbeitslose mehr registriert. Ohne diesen Sondereffekt hätte der Anstieg statt 9,2 Prozent nur 1,7 Prozent ausgemacht. 

Aspekt 2
: Für einen Vergleich sollte der Fokus nicht nur auf den letzten Monat des Jahres, sondern auf den gesamten Jahresverlauf gelegt werden (Jahreszahlen auf Seite 6). Der Arbeitsmarkt hatte sich besonders in der ersten Jahreshälfte gut von den Auswirkungen der Corona-Krise erholt. 
So sind im Jahresdurchschnitt 8.547 Menschen im Kreis Pinneberg arbeitslos gewesen – 824 oder 8,8 Prozent weniger als im Jahresdurchschnitt 2021. Die Arbeitslosenquote, die im Vorjahr noch 5,3 Prozent betragen hatte, ist auf 4,8 Prozent gesunken. Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote blieb zu 2021 praktisch unverändert. Die Zahl der Beschäftigten ist weiter gestiegen und erreichte einen neuen Höchststand. 

„Am Arbeitsmarkt war das Jahr 2022 deutlich besser als der Eindruck, den es bei vielen hinterlässt. Ein stabiler Stellenmarkt, weniger Arbeitslose und mehr Beschäftigte prägen das Jahr. Corona und Kurzarbeit hatten kaum noch Auswirkungen. Der beginnende Aufwärtstrend wurde leider im Laufe des Jahres durch neue Krisenthemen ausgebremst. Dennoch blieb der Arbeitsmarkt fest und bietet weiterhin viele Chancen für Arbeitsuchende und Unternehmen“, meint Thomas Kenntemich. 

Ein besonders positiver Aspekt lag 2022 in der Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit, also der Menschen, die sich ein Jahr oder länger auf Arbeitssuche befinden. Während der Corona-Pandemie war ihre Zahl angewachsen, da der Jobeinstieg in dieser Zeit deutlich schwieriger wurde. Im letzten Jahr gelang dies wieder deutlich besser. Im Jahresdurchschnitt 2022 waren im Kreis 2.616 Menschen schon länger auf der Jobsuche. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 440 Personen oder 14,4 Prozent weniger. 
 
 
Arbeitsmarkt entwickelt mehr Resilienz - Fachkräftebedarf bleibt Thema Nr.1 
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist derzeit kaum absehbar und hängt zum Teil an internationalen Entscheidungen. Wo der Arbeitsmarkt am Jahresende 2023 stehen wird, lässt sich daher kaum verlässlich prognostizieren. 

Wirtschaftsforschungsinstitute gehen zunehmend von einer „milden“ Rezession in 2023 aus, einen wirtschaftlichen Aufwärtstrend könnte es ab 2024 geben. Viele Unternehmen in unserer Region verfügen noch über gefüllte Auftragsbücher, die derzeit abgearbeitet werden. 

Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren von konjunkturellen Schwankungen abgekoppelt. Die Auswirkungen wurden durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit gedämpft. Und auch die Unternehmen entlassen ihre Fachkräfte nicht mehr so schnell, da es bei Auftragsbesserung schwieriger geworden ist, den Personalbestand wieder aufzustocken. 

„Ich gehe davon aus, dass auch in einem wirtschaftlich schwierigen Jahr 2023 der Arbeitsmarkt sein gutes Niveau halten wird. Besonders für die neuen Herausforderungen wie den Umbau zu modernen, klimafreundlichen Techniken und die zunehmende Digitalisierung vieler Lebensbereiche werden Fachkräfte gesucht. Berufe werden sich verändern, der Bedarf an qualifizierten Kräften wird bleiben“, erklärt Thomas Kenntemich. 

Beim Fachkräftemangel sieht Thomas Kenntemich verschiedene Ansätze: „Um den aktuellen Fachkräftebedarf zu sichern und die zahlreichen Altersabgänge in die Rente abzufedern, müssen wir mehrgleisig fahren. Wir sollten die Arbeitszeitpotenziale besser ausschöpfen, z.B. Teilzeitkräfte oder Minijobbern mehr Chancen geben, ihre Arbeitszeiten auszuweiten. Ungelernte Arbeitslose und Beschäftigte können sich durch Qualifizierungen zur begehrten Fachkraft entwickeln. Durch gezielte Zuwanderung sollten Fachkräfte für Mangelberufe gewonnen werden.“ 

Besonders gute Zukunftschancen sieht die Agentur für Arbeit Elmshorn unter anderem für die Beschäftigten in den sozialen Berufen (Erziehung und Pflege), im Handel und in den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). „Dabei sollte der Beruf immer mit den Interessen und Talenten übereinstimmen“, so Thomas Kenntemich. 

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