Hamburg steuert weiter auf einen deutlichen Fachkräftemangel zu: bis 2040 könnten rund 173.000* am Standort fehlen, wie ein Update zur Fachkräftestrategie der Handelskammer Hamburg verdeutlicht. Das belastet bereits heute die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt: Nicht besetzte Arbeitsplätze verringern Produktivität, hemmen Investitionen und sorgen für ein langsameres wirtschaftliches Wachstum.

Nach einer Analyse des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der Handelskammer kann Automatisierung einen großen Teil der Fachkräftelücke schließen und Unternehmen produktiver machen – vor allem dort, wo Prozesse standardisiert sind. Zum Beispiel im Verkehrsbereich, der Logistik, in Produktionsabläufen, sowie administrativen Tätigkeiten oder Buchhaltung.

„Technologischer Fortschritt ist ein entscheidender Hebel, mit dem wir der klaffenden Fachkräftelücke am ehesten begegnen können“, betont Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. „Prozesse automatisieren ist ein zentraler Aspekt: Würden die bereits heute existierenden Automatisierungspotenziale vollständig genutzt, könnte die Arbeitskräftelücke um fast 60 Prozent reduziert werden. Die Hamburger Wirtschaft will mutig nach vorn und eine Voreiterrolle einnehmen, das geht aber immer nur so gut, wie die Rahmenbedingungen vonseiten der Politik für Innovationsförderung am Standort gestaltet werden. Die Prognose von 173.000 fehlenden Fachkräften zeigt, wie groß die Herausforderung für die Hamburger Wirtschaft ist. Sie basiert auf einer zurückhaltenden Planung der Unternehmen, geprägt von anhaltender wirtschaftlicher Stagnation.“

Prof. Dr. Michael Berlemann, wissenschaftlicher Direktor des HWWI erklärt: „Der Fachkräftemangel bremst das Wachstum Hamburgs: Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen müssen wir davon ausgehen, dass das Bruttoinlandsprodukt Hamburgs im langfristigen Durchschnitt nur um 0,82 Prozentpunkte jährlich steigen wird – es könnte deutlich mehr sein, bis zu 1,28 Prozentpunkten. Würden die bereits heute bestehenden Automatisierungspotenziale konsequent genutzt, könnte ein großer Teil dieser Wachstumslücke geschlossen werden. Auch ein Anstieg des Renteneintrittsalters oder eine höhere Erwerbsbeteiligung von Müttern und Älteren würde hierzu beitragen.“