Hamburg. Der Hamburger Senat hat den Zwischenbericht zum Umsetzungsstand des Hamburger Klimaplans 2025 vorgelegt. Der Bericht informiert über die Fortschritte und Herausforderungen auf dem Weg zur Erreichung der Klimaziele – insbesondere mit Blick auf das Zwischenziel, die CO₂-Emissionen bis 2030 um 70 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Und das Ergebnis ist ermutigend: Im Jahr 2023 hat die Freie und Hansestadt ihre Emissionen im Vergleich zum Ausgangsjahr 1990 bereits um 42,9 Prozent gesenkt – das sind 6,4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister: „Hamburg hat im Klimaschutz seit 2011 große Fortschritte gemacht. Bei steigenden Einwohner- und Arbeitsplatzzahlen sowie zunehmender Wirtschaftsleistung wurden die CO2-Emissionen deutlich gesenkt. Grundlage für den Erfolg sind ein fachlich fundierter Klimaplan und eine systematische Klimaschutzstrategie, die wir konsequent fortführen. Der Volksentscheid zum Klimaschutzgesetz hat die Vorgaben zur Verringerung der Emissionen in den Jahren ab 2030 verschärft und noch einmal bestärkt, dass dafür nur sozialverträgliche Maßnahmen ergriffen werden dürfen. Hierzu gehört auch der Erhalt von Arbeitsplätzen und der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. In entscheidenden Bereichen wie der Wasserstofftechnologie und einer klimafreundlichen Fernwärme nimmt Hamburg eine führende Rolle unter den europäischen Metropolen ein. Der Zwischenbericht zum Umsetzungsstand des Hamburger Klimaplans zeigt aber auch, dass die Bedingungen für das Erreichen der Emissionsziele in den einzelnen Sektoren unterschiedlich sind und dass maßgebliche Faktoren dazu auf Bundesebene vorgegeben werden. Der Senat wird die in Hamburg unter der Maßgabe der Sozialverträglichkeit möglichen Klimaschutzmaßnahmen weiterhin konsequent umsetzen. Gegenüber dem Bund werden wir uns für die erforderlichen bundespolitischen Rahmenbedingungen einsetzen.“
Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Hamburg bleibt beim Klimaschutz auf Kurs. Der aktuelle Zwischenbericht ist dafür ein starkes Signal: Mit weiteren ermutigenden CO₂-Einsparungen beweisen wir, dass wirksamer Klimaschutz funktioniert. Das macht Mut und Lust auf mehr. Bei der Wärmeversorgung und der Energiewende setzen wir unseren erfolgreichen Weg konsequent fort. Klar ist aber auch: Es gibt Bereiche, in denen noch einiges passieren muss. Wir haben noch viele Aufgaben vor uns und brauchen ambitionierte Rahmenbedingungen und Rückenwind aus Berlin, um auch dort schneller voranzukommen, wo uns auf Landesebene rechtlich die Hände gebunden sind. Klimaschutz ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der Hamburg vorangeht und Verantwortung übernimmt – für unsere Stadt und für kommende Generationen.“
Energiewende: Aus- und Umbau der Energieinfrastruktur kommt voran
Bei der zentralen Wärmeversorgung ist das Wachstum der Wärmenetze und die Dekarbonisierung der Fernwärmeerzeugung durch den Kohleausstieg bis 2030, den Energiepark Hafen und den Energiepark Tiefstack aktuell auf Kurs. Die in Arbeit befindliche Wärmeplanung liefert dabei die erforderliche Orientierung. Damit Wärmenetze für die Zielerreichung in den Sektoren aber weiterhin einen effektiven Beitrag leisten können, bedarf es auf Bundesebene der Anpassung der Wärmelieferverordnung und des Förderinstrumentariums für Wärmenetze. Bei der Dekarbonisierung des Stroms werden die Weichen auf Bundesebene durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den mittelfristigen Ersatz von Kohle- durch Gaskraftwerke gestellt. Es bedarf im Bundesstrommix eines schnellen Ausbaus der Erneuerbaren Energien und einem Ersatz der aktuellen Spitzenlastabdeckung durch Kohlekraftwerke. Hamburg leistet mit dem Kohleausstieg bis 2030, der PV-Strategie und der Bereitstellung von Flächen für Windenergieanlagen einen wichtigen Beitrag.
Gebäudewärme, Prozesswärme und Ressourceneffizienz
Zuletzt wurde in Hamburg ein Anstieg der Wirtschaftsleistung bei zugleich rückläufigem Energieverbrauch verzeichnet. Die Energieeffizienz im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen konnte folglich deutlich verbessert werden. Weitere Einsparpotenziale liegen in der Wärmeversorgung und Gebäudeenergieeffizienz.
Im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen stehen Verbesserungen bei Gebäudewärme, Prozesswärme im Niedertemperaturbereich sowie bei Ressourceneffizienz im Mittelpunkt. Um hier substanzielle Einsparungen zu erzielen, hat die Freie und Hansestadt Hamburg ein umfangreiches Maßnahmenprogramm entwickelt, von dem bereits ca. 80 Prozent in Umsetzung bzw. umgesetzt sind. Zudem wurde das Förderprogramm zur energetischen Sanierung von Nichtwohngebäuden im August 2025 wiederaufgenommen. Geplant sind zudem unter anderem Beratungen zur betrieblichen Abwärmenutzung sowie die Förderung der Circular Economy, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Emissionen weiter zu reduzieren.
Private Wohngebäude: schnelle Dekarbonisierung der Energieversorgung
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie hat Hamburg schon im Jahr 2021 und als erstes Bundesland eine umfangreiche Datenbasis zum Modernisierungsgrad seines Wohngebäudebestands erstellt und durch ein interdisziplinäres Gutachter-Team unterschiedliche Szenarien zur Erreichung der Klimaziele prüfen lassen. Dabei wurden nicht nur technische Belange berücksichtigt, sondern auch stets die Auswirkungen verschiedener Lösungsansätze auf die Investitions- und Wohnkosten. Daraus wurden zielgerichtete Strategien wie Kommunikations- und Beratungsangebote, Förderprogramme oder auch eine Grundlage für die kommunale Wärmeplanung abgeleitet und umgesetzt. Für die Zielerreichung bei privaten Wohngebäuden in Hamburg kommt es auf eine schnelle Dekarbonisierung der Energieversorgung an, vor allem durch einen beschleunigten Ausbau von Fernwärme sowie dem verstärkten Einsatz von Wärmepumpen. Dabei ist der Einsatz von Wärmepumpen auch in teil- und unsanierten Gebäuden möglich.
Zur Zielerreichung werden auch Maßnahmen auf Bundesebene und gegebenenfalls europäischer Ebene benötigt. Darüber hinaus muss auch auf Bundes- und EU-Ebene der Fokus auf CO2-Reduktion statt auf dem Grundsatz „Energieeffizienz an erster Stelle“ liegen. Der größte Hebel zur Reduzierung von THG-Emissionen ist die Dekarbonisierung der Energieversorgung, die energetische Sanierung dient weiterhin der Reduzierung des Energiebedarfs und erfolgt im Rahmen der Instandsetzung am Ende der Bauteillebensdauer. Außerdem sollten Maßnahmen und Bilanzierungen auf Quartiers- und Flottenebene stark ausgebaut werden, damit sie zur gleichwertigen Alternative von Maßnahmen am Einzelgebäude werden.
Aufbau des Wasserstoffnetzes HH-WIN, Norddeutsches Reallabor und Carbon Management
Verschiedene Förderprogramme zur Dekarbonisierung und Steigerung der Energieeffizienz sollen den Industriestandort Hamburg stärken und Umstieg fördern Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur, insbesondere dem Ausbau des Hamburger Wasserstoffnetzes (HH-WIN) und der Wasserstoffproduktion am Standort Moorburg. Diese Maßnahmen sollen die Industrie bei der Umstellung auf klimafreundliche Technologien unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit sichern. Gerade für energieintensive Industrien verspricht dies Lösungen zur Dekarbonisierung der Produktion. In Zukunft soll HH-WIN einen Großteil der Hamburger Industrieunternehmen mit grünem Wasserstoff versorgen.
Darüber hinaus fördert Hamburg innovative Projekte wie das Norddeutsche Reallabor, das praxisnahe Transformationspfade entwickelt und erprobt. Hier werden Elektrolyseure mit einer Wasserstoff-Erzeugungskapazität betrieben, die unter anderem dazu dienen sollen, fossile Energieträger in industriellen Prozessen durch Wasserstoff bzw. dessen Folgeprodukte zu ersetzen. Die Stadt plant zudem die Entwicklung einer umfassenden Carbon Management Strategie, um die unvermeidbaren CO2-Emissionen in der Industrie und Abfallwirtschaft systematisch zu erfassen, zu steuern und weiter zu reduzieren. Die Strategie soll zudem natürliche CO₂-Senken wie Moore, Wälder und Seegraswiesen stärken. Außerdem soll sie technologische Verfahren weiterentwickeln, die CO₂ abscheiden, speichern (Carbon Capture Storage) oder nutzen (Carbon Capture Utilization) können.
Ausbau des Umweltverbundes – Digitalisierung und E-Mobilität im Fokus
Um den Verkehr klimafreundlicher und zukunftsfähig zu gestalten, greift eine Kombination von abgestimmten Maßnahmen. Der konsequente Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs steht dabei im Mittelpunkt. Mit immensen Investitionen wird die Busflotte fortschreitend elektrifiziert, neue U-Bahn-Netze und Fahrzeuge werden ganze Stadtteile besser verbinden und die Infrastruktur wird digitaler und moderner. Gleichzeitig werden Rad- und Fußwege ausgebaut und Sharing-Angebote gefördert. Die Verkehrsbehörde arbeitet eng mit allen Partnern zusammen, um innovative Lösungen zu entwickeln und die Rahmenbedingungen für den Umweltverbund weiter zu verbessern. Das Deutschlandticket macht den ÖPNV zusätzlich attraktiv, da es das Tarifgefüge radikal vereinfacht und Fahrten mit Bus und Bahn zu einem fairen Preis ermöglicht. Das Schülerticket und die Einführung des Seniorentickets ab Mai 2025 zeigen, dass alle Hamburgerinnen und Hamburger Zugang zu modernen Mobilitätsangeboten haben sollen.
Auch die flächendeckende Nutzung von E-Autos soll dabei helfen, entscheidende Mengen CO2 einzusparen. Durch gebührenfreies Parken und den Ausbau der Ladeinfrastruktur werden elektrisch betriebene Autos in Hamburg attraktiver. Auf diesem Gebiet müssen Stadt, Bund, EU und Industrie aber weiter eng zusammenarbeiten, damit E-Fahrzeuge die bessere Wahl werden für Verbraucherinnen und Verbraucher und Unternehmen. Ziel ist es, den Anteil nachhaltiger Mobilitätsformen deutlich zu steigern und Hamburg als Vorreiter für klimafreundliche Mobilität zu positionieren, dazu gehört auch das autonome Fahren. Die Fortschritte werden regelmäßig überprüft, um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen.
Senat leitet Prüfung weiterer Maßnahmen ein
Der aktuelle Zwischenbericht zeigt: Die Sektoren Private Haushalte, Industrie und Gewerbe/Handel/Dienstleistungen werden ihre Reduktionsziele 2030 voraussichtlich erreichen. Für die Zielerreichung im Sektor Verkehr sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Der Senat wird daher nun wie in § 6 Absatz 2 Hamburgischem Klimaschutzgesetz vorgesehen, eine umfassende Ursachenanalyse durchführen und Maßnahmen prüfen. Dies umfasst in erster Linie Rahmenbedingungen auf EU- und Bundesebene und in einem zweiten Schritt dann auch Initiativen auf Landesebene
Hamburg bleibt beim Klimaschutz auf Kurs
Der Zwischenbericht zeigt, dass Hamburg auf Kurs ist: Die Energiewende wird mit Nachdruck vorangetrieben, die kommunale Wärmeplanung und der Ausbau erneuerbarer Energien schreiten voran und die Stadt investiert in die Modernisierung der Infrastruktur. Auch im Bereich der energetischen Sanierung und Umstellung der Wärmeversorgung von Gebäuden unterstützt die Stadt mit Förderprogrammen. Die öffentlichen Unternehmen haben sich bereits auf den Weg zur Klimaneutralität 2040 gemacht. Ein Großteil der Maßnahmen des Klimaplans befindet sich in der Umsetzung oder in Vorbereitung, erste sind bereits abgeschlossen.
