Das Geschäftsklima der Hamburger Wirtschaft hat sich im Herbst leicht verbessert. Der Geschäftsklimaindex der Handelskammer Hamburg steigt auf 92,0 Punkte, nach 89,6 Punkten im Vorquartal und 84,4 Punkten vor einem Jahr. Die aktuelle Geschäftslage wird etwas positiver als im Sommer bewertet, die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben jedoch per saldo sichtlich pessimistisch. Personal- und Investitionspläne fallen weiterhin zurückhaltend aus. Deutlich verbessert haben sich dagegen die Exportaussichten.
“Wir dürfen uns von den angehobenen Wachstumsprognosen nicht täuschen lassen. Das erwartete Wachstum wird auch durch erhebliche staatliche Ausgaben und Sondereffekte begünstigt, etwa durch die arbeitgeberfreundliche Lage der Feiertage in diesem Jahr”, sagt Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. “Für einen nachhaltigen Aufschwung müssen wir in Deutschland und Hamburg die Rahmenbedingungen für private Investitionen konsequent verbessern. Zugleich müssen staatliche Mittel tatsächlich in zusätzliche Investitionen fließen, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Standorts stärken.”
Die verbesserten Exportaussichten seien ein allerdings positives Signal. Gerade für die Hamburger Wirtschaft liegen große Potenziale in Europa. “Damit unsere Unternehmen diese voll ausschöpfen können, braucht der Binnenmarkt weniger Hürden und Bürokratie sowie stärker harmonisierte Regeln. Statt neuer Belastungen wie zuletzt durch die Verpackungsverordnung sind verlässliche Rahmenbedingungen gefragt, die Investitionen erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs stärken”, so Heyne.
Die aktuelle Geschäftslage wird zum Ende des dritten Quartals etwas besser eingeschätzt als im Sommer.
26,1 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, 22,9 Prozent als schlecht. Daraus ergibt sich ein Saldo von +3,2, nach -0,8 im Vorquartal. Bei den Geschäftserwartungen überwiegt dagegen weiterhin der Pessimismus: 31,5 Prozent rechnen mit einer eher ungünstigeren, lediglich 13,4 Prozent mit einer eher günstigeren Entwicklung. Der Saldo liegt bei -18,1.
Größtes Geschäftsrisiko bleiben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
67,1 Prozent der Unternehmen nennen sie als eines ihrer größten Risiken für die kommenden zwölf Monate. Gleichzeitig gewinnen die Energie- und Rohstoffpreise wieder deutlich an Bedeutung: 56,7 Prozent sehen darin ein großes Geschäftsrisiko – nach 46,9 Prozent im Vorquartal und 37,6 Prozent vor einem Jahr. Auch die schwache Inlandsnachfrage bleibt für mehr als jedes zweite Unternehmen ein wesentliches Risiko.
Die anhaltende Zurückhaltung zeigt sich auch bei den Planungen der Unternehmen.
68,4 Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer etwa gleichbleibenden Beschäftigtenzahl. 20,6 Prozent planen einen Personalabbau, nur 11,0 Prozent einen Aufbau. Bei den Investitionen halten sich Erwartungen von steigenden und sinkenden Ausgaben nahezu die Waage: 24,3 Prozent rechnen mit höheren, 25,3 Prozent mit geringeren Investitionen. Wichtigstes Investitionsmotiv bleibt der Ersatzbedarf.
Ein Lichtblick sind die Exportaussichten.
23,7 Prozent der exportierenden Unternehmen erwarten in den kommenden zwölf Monaten ein höheres Exportvolumen, 12,4 Prozent ein geringeres. Der Saldo verbessert sich damit auf +11,3, nach +2,6 im Vorquartal und 0,0 vor einem Jahr. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch bei den exportierenden Dienstleistern sind die Aussichten wieder positiv.
Die Ergebnisse im Überblick:
- Geschäftsklima: 92,0 Punkte (Vorquartal: 89,6; langfristiger Mittelwert: 105,7)
- Aktuelle Lage: 26,1 Prozent gut, 51,0 Prozent saisonüblich, 22,9 Prozent schlecht (Saldo: +3,2)
- Geschäftserwartungen: 13,4 Prozent günstiger, 55,1 Prozent gleichbleibend, 31,5 Prozent ungünstiger (Saldo: -18,1)
- Größte Risiken: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (67,1 Prozent), Energie- und Rohstoffpreise (56,7 Prozent), Inlandsnachfrage (55,5 Prozent)
- Investitionen: 24,3 Prozent höher, 50,4 Prozent gleichbleibend, 25,3 Prozent geringer (Saldo: -1,0)
- Beschäftigung: 11,0 Prozent höher, 68,4 Prozent gleichbleibend, 20,6 Prozent geringer (Saldo: -9,6)
- Exporte: 23,7 Prozent steigend, 63,9 Prozent gleichbleibend, 12,4 Prozent sinkend (Saldo: +11,3)
- Befragung: 673 Antworten Hamburger Unternehmen zwischen dem 17. September und 5. Oktober 2026.
