Angesichts wachsender Sicherheitsbedrohungen fordert die norddeutsche Wirtschaft klare Prioritäten und schnellere Verfahren beim Ausbau strategisch wichtiger Netze und Verkehrswege. Im Mittelpunkt steht dabei die Rolle Norddeutschlands als logistisches und energetisches Rückgrat der deutschen und europäischen Sicherheitsarchitektur.
Diese Position wurde auf der Norddeutschen Sicherheitskonferenz der IHK Nord in der Handelskammer Bremen deutlich. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Bundeswehr, Wissenschaft und Verbänden aus allen fünf norddeutschen Bundesländern diskutierten Norddeutschlands Rolle als strategischen Raum der deutschen und europäischen Sicherheitsarchitektur – und die steigende Verwundbarkeit zentraler Infrastrukturen.
Konkrete Vorfälle wie Drohnenüberflüge, Sabotage an Kommunikationsleitungen in der Ostsee und Cyberangriffe auf Energieunternehmen zeigen deutlich die veränderte Sicherheitslage auf. Besonders im Fokus ist Norddeutschland als logistische Drehscheibe entlang der strategisch wichtigen West-Ost-Achse.
„Norddeutschland ist mehr als ein Wirtschaftsraum. Der Norden ist systemrelevant für die Sicherheit des gesamten Landes“, betonte André Grobien, Vorsitzender der IHK Nord. „Häfen, Verkehrswege und Energienetze entscheiden im Ernstfall über Versorgung und Verteidigungsfähigkeit.“
Im Fokus der Konferenz standen Military Mobility, Dual-Use-Infrastrukturen und der Schutz kritischer Systeme. Diskutiert wurde, wie zivile und militärische Anforderungen besser verzahnt, Zuständigkeiten geklärt und Planungs- und Investitionsentscheidungen beschleunigt werden können. Einigkeit bestand darin: Resilienz entsteht nicht erst im Krisenmoment, sondern durch frühzeitige Investitionen, Redundanzen, und ein gemeinsames Lagebild.
Die norddeutsche Wirtschaft warnte zugleich, dass belastbare Infrastruktur kein Selbstläufer ist. Investitionsrückstände, komplexe Genehmigungsverfahren und fehlende Prioritäten gefährden aus Sicht der Unternehmen die Handlungsfähigkeit entlang der West-Ost-Achse – einer Achse, die im Krisen- und Verteidigungsfall für Truppenverlegung und sowohl militärische als auch zivile Versorgung und Logistik von zentraler Bedeutung ist.
„Sicherheit beginnt bei funktionierender Infrastruktur“, sagte Grobien. „Verzögerte Investitionen schwächen nicht nur die Wirtschaft, sondern die staatliche Vorsorge insgesamt.“ Die IHK Nord appelliert daher an den Bund, den Norden konsequent als strategischen Raum zu stärken. Gefordert werden verlässliche Finanzierungszusagen, beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine bessere Verzahnung nationaler und europäischer Programme, etwa im Rahmen von TEN-V und Military Mobility.
Weitere Informationen und das Positionspapier der IHK Nord zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik finden Sie unter: www.ihk-nord.de/sicherheitspolitik
