In München diskutieren auf der Sicherheitskonferenz Experten die strategischen Linien internationaler Sicherheitspolitik, im Norden richtet die Wirtschaft den Blick auf die Voraussetzungen, die in den Küstenländern über Versorgungssicherheit und Verteidigungsfähigkeit entscheiden:

Drohnen über Norddeutschland, Beschädigungen von Kommunikationsleitungen in der Ostsee und Cyberangriffe auf Energieunternehmen sind keine zufälligen Einzelereignisse. Sie markieren eine neue sicherheitspolitische Realität – der Norden steht im Zentrum geopolitischer Spannungen und hybrider Bedrohungen, die gezielt kritische Infrastrukturen ins Visier nehmen.

Norddeutschland ist mehr als ein Wirtschaftsraum – es ist das sicherheitspolitische Rückgrat Deutschlands und Europas bei einer Bedrohung an der östlichen Grenze des Bündnisgebietes. Im Norden konzentrieren sich wichtige Verkehrsknotenpunkte, maritime Handelswege, systemrelevante Energieversorgung, militärische Logistik und entscheidende Schlüsselindustrien. Diese Strukturen bilden die Lebensadern für Versorgungssicherheit und Verteidigungsfähigkeit.

„Unsere Häfen, die maritime Industrie und die Energieversorgung sind systemrelevant – und müssen entsprechend geschützt und ausgebaut werden“, mahnt André Grobien, Vorsitzender der IHK Nord. „Wer hier zögert, gefährdet nicht nur die Wirtschaft, sondern die Sicherheit des ganzen Landes.“

Die IHK Nord warnt: Jahrzehntelang ausgebliebene Investitionen in Infrastrukturen, die für die Gesamtverteidigung relevant sind, würden zur Achillesferse Deutschlands werden. „Wir brauchen klare Zuständigkeiten, schnelle Genehmigungen und eine verlässliche Finanzierung durch den Bund“, betont Grobien. „Sicherheitspolitik darf nicht erst im Krisenfall greifen – sie muss vorausschauend sein.“

Die norddeutsche Wirtschaft sieht den Bund in der Pflicht, den Norden als strategischen Raum zu begreifen und entsprechend zu handeln. Das bedeutet: eine umfassende finanzielle Unterstützung des Bundes für gezielte Investitionen in Häfen und maritime Logistik, die Absicherung der Energieversorgung und die Modernisierung von Verkehrswegen, gerade auch für militärische Anforderungen, im gesamtstaatlichen Interesse. „Sicherheit ist die Grundlage für Wohlstand und Stabilität“, so Grobien. „Deutschland muss jetzt die richtigen Weichen stellen – nicht irgendwann.“

Auch die Industrie spielt eine Schlüsselrolle. Norddeutschland verfügt über starke Sicherheits- und Verteidigungsindustrien mit einer breiten Zulieferbasis. „Diese Potenziale müssen wir stärker nutzen“, fordert Grobien. „Wir brauchen vereinfachte, faire Ausschreibungen, schnelle Verfahren und verlässliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. So können wir Innovationen vorantreiben und die Verteidigungsfähigkeit sichern.“

Es gehe jetzt um mehr als kurzfristige Reaktionen – es gehe um strategische Weitsicht. Norddeutschland müsse in der Sicherheitsarchitektur Deutschlands und Europas eine herausgehobene Stellung einnehmen. Die Bundesregierung sei gefordert, gemeinsam mit Ländern, Kommunen und der Wirtschaft tragfähige Schutz- und Förderkonzepte zu entwickeln – präventiv, technologisch und militärisch unterlegt. Das bedeutet: klare Prioritäten, sektorübergreifende Koordination und gezielte Investitionen in kritische Infrastruktur, industrielle Wertschöpfung und zivile Verteidigungsfähigkeit.

„Wir dürfen nicht warten, bis die nächste Krise uns zum Handeln zwingt“, ermahnt André Grobien. „Wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, sichern wir nicht nur den Norden – wir sichern die Zukunft unseres Landes.“

Alle Forderungen und Hintergründe stehen online im Positionspapier der IHK Nord: www.ihk-nord.de/sicherheitspolitik