Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor für den Norden. Küsten, Inseln, Städte und ländliche Räume prägen das Profil Norddeutschlands als Reiseziel – und stehen zugleich vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund hat die IHK Nord heute zur Norddeutschen Tourismuskonferenz 2026 nach Bremerhaven eingeladen. Rund 120 Fachleute aus dem gesamten Norden kamen zusammen, um über die Zukunftsfähigkeit der Branche zu beraten.

Im Mittelpunkt der Konferenz standen der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Tourismus und die neue Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung, die am 28. Januar 2026 vom Kabinett beschlossen wurde. Die Strategie setzt ihren Kurs auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit und greift zentrale Forderungen der IHK Nord auf: Unternehmensentlastung, Bürokratieabbau, bessere Rahmenbedingungen für Investitionen sowie mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt.

Den Konferenzauftakt gestaltete Dr. Christoph Ploß MdB, Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus. In seiner Keynote stellte er die Ziele und Schwerpunkte der Strategie vor. „Mit der Nationalen Tourismusstrategie werden wir die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Deutschland verbessern. Noch in diesem Jahr werden wir die Arbeitszeiten flexibilisieren und von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umstellen. Das gibt Betrieben endlich den nötigen Spielraum in Spitzenzeiten – und kommt zugleich Millionen Beschäftigten in ihrem Lebensalltag zugute. Zusätzlich machen wir Mehrarbeit attraktiver, indem Überstundenzuschläge steuerfrei werden. Gleichzeitig senken wir Kosten, etwa durch geringere Beiträge zum Reisesicherungsfonds, und räumen mit überflüssiger Bürokratie auf“, so Ploß. Er verwies zudem auf Maßnahmen wie die Digitalisierung der Visaverfahren und Investitionen in die touristische Infrastruktur.

Der Vorsitzende der IHK Nord, André Grobien, begrüßte, dass die neue Bundesstrategie den Tourismus wirtschaftspolitisch bekräftigt: „Viele der in der Nationalen Tourismusstrategie genannten Punkte sind richtig und wichtig – etwa Bürokratieabbau, bessere Anbindung, Flexibilisierung der Arbeitszeiten und die Gewinnung internationaler Fachkräfte. Entscheidend ist jetzt die Umsetzung. Die Betriebe erwarten konkrete Entlastungen – etwa durch den Abbau von Dokumentationspflichten und eine digital arbeitende Verwaltung.“

In den Diskussionen der Konferenz stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Ziele der Nationalen Tourismusstrategie konkret im betrieblichen Alltag umsetzen lassen. Aus Sicht der IHK Nord und vieler Teilnehmender kann der Einsatz von Künstlicher Intelligenz dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Gerade für die mittelständisch geprägte Tourismuswirtschaft bietet KI die Möglichkeit, Betriebe zu entlasten, Prozesse effizienter zu organisieren und den anhaltenden Fachkräftemangel zumindest abzufedern.

Grobien machte deutlich, dass KI dabei kein Selbstzweck ist, sondern ein praxisnahes Entlastungsinstrument: „Künstliche Intelligenz kann für den Tourismus im Norden ein echter Hebel sein – nicht, um Menschen zu ersetzen, sondern um Betriebe handlungsfähig zu halten. KI darf keine zusätzliche Komplexität erzeugen. Sie muss helfen, bestehende Pflichten zu reduzieren, Abläufe zu vereinfachen und Zeit für das Kerngeschäft zu schaffen. Dafür braucht verlässliche und praxisnahe Rahmenbedingungen.“

Konkret kann KI bei Dokumentationspflichten, der Dienst- und Einsatzplanung, der Gästekommunikation in Spitzenzeiten sowie bei der Auslastungssteuerung unterstützen. Gleichzeitig bestehen insbesondere für kleine und mittlere Betriebe Hürden, etwa bei Investitionskosten oder rechtlichen Fragen. Die IHK Nord begrüßt daher, dass die Nationale Tourismusstrategie den Ausbau digitaler Infrastrukturen sowie die gezielte Unterstützung von KMU und Start-ups bei der Entwicklung konkreter KI-Anwendungen vorsieht.

Entscheidend ist auch hier eine zügige Umsetzung durch Bund und Länder, damit KI und Digitalisierung im Tourismus spürbar wirksam werden.