Hamburg. Lieferketten, Energieversorgung oder IT-Systeme: Drei Beispiele wirtschaftlicher Strukturen, die zunehmend unter Druck geraten. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die geopolitische Lage in Europa dauerhaft verändert. Außenpolitische Spannungen und sicherheitspolitische Risiken nehmen in Europa rasant zu. Nach Jahren der Vernachlässigung rückt Krisenvorsorge als strategische Notwendigkeit für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft wieder stärker in den Fokus. Ohne widerstandsfähig Unternehmen gerät auch die gesamtgesellschaftliche Stabilität ins Wanken.

Vor diesem Hintergrund findet das Dialogforum Sicherheit & Resilienz der Handelskammer Hamburg statt, bei dem insbesondere die Rolle der Unternehmen im Mittelpunkt steht.

"Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit - und ohne Freiheit keinen Wohlstand. Zu lange wurde das Thema in der öffentlichen Diskussion verdrängt, umso größer muss jetzt die Priorität sein, mit der wir in die Resilienz des Standorts investieren. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie eng wirtschaftliche Stabilität, gesellschaftliche Resilienz und Sicherheit verflochten sind", betont Prof. Norbert Aust, Präses der Handelskammer. "Krisenvorsorge ist heute ein strategischer Vorteil - und Voraussetzung dafür, dass Unternehmen und unser Standort in einer unsicheren Welt stabil und handlungsfähig bleiben."

Mit ihrem neuen Krisenvorsorgeplan (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 956 KB) unterstützt die Handelskammer Hamburg insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei, ihre Widerstandsfähigkeit für Krisen, Naturkatastrophen und Konflikte zu prüfen und gezielt zu stärken. Der Plan versteht Unternehmen im Ernstfall als integralen Teil der Zivilen Verteidigung und bietet konkrete Werkzeuge, Störungen frühzeitig zu erkennen, Abläufe abzusichern und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.

Das Kernstück des Plans bilden elf konkrete Handlungsfelder, die Unternehmen jetzt angehen sollten: von der Sicherstellung der Führung im Krisenfall über Standort- und Lieferkettensicherheit bis zur Absicherung von Energie-, IT- und Kommunikationssystemen. Checklisten helfen der Geschäftsführung, Vorsorgeschritte systematisch und praxisnah umzusetzen.

Der Leitfaden wurde von der Hamburger Wirtschaft, gemeinsam mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entwickelt. In enger Zusammenarbeit mit Senat, Bundeswehr und Behörden unterstützt die Kammer Unternehmen dabei, sich wirksam vorzubereiten und handlungsfähig zu bleiben. So stärkt sie Hamburgs Wirtschaft auch in unsicheren Zeiten und macht den Standort zukunftsfähig.

"Ohne funktionierende wirtschaftliche Strukturen auch in Krisen, wird es sehr schwer, die Bevölkerung zu schützen", sagt René Funk, Vizepräsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. "Daher bin ich dankbar, dass die Handelskammer Hamburg hier vorangegangen ist und ihre Unternehmen unterstützt, Verantwortung in und für Krisenzeiten zu übernehmen. Die Rolle der Wirtschaft in der Zivilen Verteidigung ist für die lebenswichtige Versorgung der ganzen Gesellschaft kaum zu überschätzen. "

Kapitän zur See Kurt Leonards, Landeskommandeur Hamburg: "Der Krisenvorsorgeplan der Handelskammer Hamburg setzt Maßstäbe. Mit strategischem Weitblick stärkt sie die Resilienz der Hamburger Wirtschaft. Das Landeskommando Hamburg steht mit der Handelskammer in einem kontinuierlichen, vertrauensvollen Austausch und arbeitet eng, unbürokratisch und pragmatisch mit ihr zusammen. Die in Hamburg gelebte Kooperation zwischen Wirtschaft, Sicherheitsbehörden und Bundeswehr ist eine Säule der Gesamtverteidigung."