Der AGA-Wirtschaftstest für das erste Quartal 2026 zeigt, dass hohe Gesamtkosten die norddeutschen Händler und unternehmensnahen Dienstleister weiterhin stark belasten. Die Gewinnlage ist entsprechend angespannt. Für die kommenden sechs Monate rechnet zwar eine Mehrheit mit gleichbleibenden Umsätzen und Gewinnen, zugleich erwarten jedoch mehr als zwei Drittel der Unternehmen steigende Gesamtkosten.

AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse: "Unsere Konjunkturumfrage zeigt eine Wirtschaft im Wartestand: Von Aufbruch kann keine Rede sein, dafür sind die Umsätze und vor allem die Erträge weiterhin zu stark durch Kostensteigerungen belastet. Wer jetzt über weitere Belastungen spricht, muss sich bewusst sein, wie dünn das Fundament aktuell ist. Das gilt auch für die gerade angelaufenen Tarifverhandlungen im norddeutschen Groß- und Außenhandel. Viele Unternehmen halten sich stabil, aber sie tun das mit erheblichem Kraftaufwand und ohne echten finanziellen Spielraum. In dieser Lage brauchen die Betriebe vor allem Verlässlichkeit und Augenmaß – zusätzliche Kostenrisiken würden die fragile Stabilisierung sofort gefährden."

Umsätze und Gewinne Im ersten Quartal 2026 meldeten 36 Prozent der befragten Unternehmen rückläufige Umsätze, während 34 Prozent ihr Umsatzniveau stabil hielten und 30 Prozent Zugewinne verzeichneten. Insgesamt ging der Umsatz durchschnittlich real um 3,7 Prozent zurück (nominal: -1,5 Prozent).

Entsprechend angespannt ist die Ertragslage: 65 Prozent der Unternehmen bewerteten ihre Gewinne als „befriedigend“, nur 10 Prozent als „gut“, während 25 Prozent von einer schlechten Gewinnsituation berichteten. Belastend wirkten vor allem die gestiegenen Gesamtkosten, von denen 82 Prozent der Unternehmen betroffen waren.

Mit Blick auf die kommenden sechs Monate rechnen die norddeutschen Unternehmen überwiegend mit einer Stabilisierung. So erwarten 54 Prozent gleichbleibende Umsätze. Auch bei den Gewinnen gehen 57 Prozent von einer konstanten Entwicklung aus. Gleichzeitig stellen sich 16 Prozent auf rückläufige Gewinne ein, während 27 Prozent mit einer Verbesserung der Ertragslage rechnen.

Personallage Zu Beginn des Jahres wurden die norddeutschen Unternehmen zusätzlich zu ihrer Personalplanung und -entwicklung befragt. Dabei gaben 69 Prozent an, aktuell Fachkräfte zu suchen. Die durchschnittliche Suchdauer beträgt dabei 15,1 Wochen bei 3,9 offenen Stellen (Vorjahreszeitraum: 13,4 Wochen und 5,6 offene Stellen). Schwerpunktmäßig suchen die Unternehmen Fachkräfte mit Berufsausbildung, das gaben 75 Prozent an. 39 Prozent suchen Hochschulabsolventen.

2025 haben 27 Prozent der Unternehmen, im Vergleich zum Vorjahr, die Anzahl ihrer Beschäftigten erhöht. Die Mehrheit (42 Prozent) hielt die Beschäftigtenzahl stabil, während jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) das Personal gesenkt hat. Für das laufende Jahr planen knapp die Hälfte (49 Prozent) der Unternehmen die Anzahl der Beschäftigten stabil zu halten. 43 Prozent planen eine Ausweitung, während 8 Prozent Personal abbauen möchten.

Regionale Unterschiede Die norddeutschen Bundesländer im Überblick: Im ersten Quartal 2026 fiel der Umsatz in Hamburg um real 4,3 Prozent (nominal: -1,8 Prozent) und in Schleswig-Holstein um real 3,8 Prozent (nominal: -1,5 Prozent). In Mecklenburg-Vorpommern ging er um real 0,4 Prozent nach unten (nominal: +2,3 Prozent) und in Niedersachsen sank er um real 2,4 Prozent (nominal: +0,3 Prozent). In Bremen sank der Umsatz im ersten Quartal um real 2,1 Prozent (nominal: +0,3 Prozent).

Das sind zentrale Ergebnisse des Wirtschaftstests, den der AGA Unternehmensverband vom 2. März 2026 bis zum 3. April 2026 unter den norddeutschen Unternehmen durchgeführt hat.