Lübeck. In wenigen Jahren sind Norddeutschland und Skandinavien durch den Fehmarnbelt-Tunnel noch enger verbunden als bisher. Diese neue Achse bietet große Chancen und Potenziale für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. "Wenn ich von oben auf die Verbindung schaue, sehe ich mehr als eine Achse. Ich sehe ein Dreieck, das bis Berlin reicht. Und damit wird deutlich, welche Chancen wir in diesem riesigen Wirtschaftsraum haben", sagte Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck und Vorsitzender des Lenkungskreises des Regionalmanagements im Hansebelt auf der Regionalkonferenz Hansebelt in Lübeck. Mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Politik und Kommunen waren der gemeinsamen Einladung des Regionalmanagements, des HanseBelt e.V. und des Wirtschaftsministeriums gefolgt, um sich über Chancen und Potenziale in der Region zu informieren. 

In seinem Impulsvortrag zu einer aktuellen Potenzialanalyse für den Hansebelt stellte Professor Frank Schwartze vom Fachbereich Bauwesen der Technischen Hochschule Lübeck die Herausforderungen für den eher ländlich geprägten Raum zwischen den Metropolen dar. Der Hansebelt sei schon jetzt gut aufgestellt mit einer resilienten Wirtschaft mit heterogener Struktur sowie vielfältigen Kooperationen in Initiativen und Clustern als Nährboden für Innovation und Arbeitskräftesicherung. "Heutige Herausforderungen, wie demografischer Wandel, Wohnungsdruck und Fachkräftemangel betreffen alle, nicht nur den Hansebelt. Aber der Hansebelt hat in der festen Fehmarnbelt-Querung ein Infrastrukturprojekt von europäischer Bedeutung, das wir als Vehikel nutzen können, um die Herausforderungen unserer Zeit besser als andere zu lösen", so Schwartze. Zur weiteren positiven Entwicklung fehlten Wohnraum und ein effizienter öffentlicher Personennahverkehr außerhalb der Zentren. Um weiterhin gut ausgebildete Arbeitskräfte im Hansebelt zu halten, seien hier Verbesserungen erforderlich. Auch Arndt Schanze, Vorsitzender des HanseBelt-Vereins, forderte die theoretische Ebene der Zukunftsgestaltung zu verlassen und endlich konkret zu handeln, um die Region auf das vorzubereiten, was auf sie zukommt.

Für das "ständige Gejammer" über angeblich schlechte Zustände in Wirtschaft und Verkehr sowie die Blockade und Verzögerung von Projekten hat auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen kein Verständnis mehr: "Schleswig-Holstein ist bereits sehr gut aufgestellt und es wird noch besser. Bei der Breitbandversorgung sind wir Spitzenreiter im Bund und bei der Elektrifizierung der Eisenbahn liegen wir ebenfalls weit vorn", sagte er und betonte: "Viele andere Länder schauen neidisch auf uns und wünschten sich zu haben, was wir haben. Wir sollten endlich stolz sein auf das, was wir erreicht haben." Für den Hansebelt sieht er große Chancen wegen der engen Kooperation mit den dänischen und schwedischen Partnern. "Es reicht nicht, dänische Unternehmen auf die deutsche Seite der Grenze zu locken und umgekehrt, wir wollen Ansiedlungen belgischer oder französischer Betriebe in die Region holen, dann haben wir Erfolg."