Ist der Tourismus in Schleswig-Holstein gut vorbereitet für die Herausforderungen der Zukunft? Darum ging es beim Tourismustag am 29. Oktober 2026 in Grömitz mit rund 300 Branchenvertretern. Thematisiert wurden Trends wie Künstliche Intelligenz und das Zusammenspiel von Mensch und Maschine, die Weiterentwicklung touristischer Angebote, die Anforderungen an eine zukünftige Tourismusstrategie und das Marketing sowie um Entwicklungspotenziale der Destination.
„Besonders für den Tourismus ist es erfolgsentscheidend, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und sich darauf einzustellen. Deswegen haben wir auch in diesem Jahr wieder Meinungsführer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Austausch eingeladen. Eine der Stärken unseres Tourismuslandes besteht zweifellos darin, dass die Akteure gut miteinander vernetzt sind und gemeinsam an den Zukunftsfragen des Tourismus arbeiten“, sagt Sedef Atasoy, Tourismusexpertin der IHK Schleswig-Holstein und Initiatorin des jährlich stattfindenden Branchentreffens. „Die größten Zukunftschancen liegen in der Innovationskraft unserer Betriebe. Sie greifen Trends auf, entwickeln neue Angebote und schaffen damit die Erlebnisse, die Gäste künftig erwarten. Dafür brauchen sie Rahmenbedingungen, die Investitionen, Innovationen und die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Angebote fördern.“
Tourismusminister Claus Ruhe Madsen sieht als Stärken des Schleswig-Holstein-Tourismus vor allem die positive Entwicklung der touristischen Zahlen seit vielen Jahren, massive Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, die private nach sich gezogen und die Qualität des Angebots nachhaltig gesteigert haben, die Agilität und Kreativität der Akteure und das hervorragende Image Schleswig-Holsteins als Reiseland. „Aber natürlich dürfen wir uns nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Wir müssen bei Themen wie Barrierefreiheit, Qualität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit am Ball bleiben. Und das schaffen wir nur im Team.“
Bei Chancen, Herausforderungen und notwendigen Weichenstellungen für die Zukunft sehen die Fachleute besondere Schwerpunkte:
Lutz Frank, Präsident des DEHOGA Schleswig-Holstein:
„Klimatische Veränderungen bieten die Chance, Schleswig‑Holstein als attraktives, ganzjähriges und naturnahes Reiseziel zu positionieren. Das eröffnet neue Zielgruppen wie Aktiv‑, Gesundheits‑ und Natururlauber sowie Möglichkeiten zur Saisonausdehnung.
Die Betriebe brauchen flächendeckende digitale Infrastruktur und praxisnahe Weiterbildung, damit sie online sichtbar und effizient arbeiten können.“
Hans-Jürgen Lütje, Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbands Schleswig-Holstein:
„Große Zukunftschancen sehen wir insbesondere in der qualitativen Weiterentwicklung unserer Angebote, einem nachhaltigen Ganzjahrestourismus und der stärkeren touristischen Entwicklung des Binnenlandes. Entscheidend ist, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandortes zu sichern. Deshalb brauchen wir verlässliche und flexible Förderstrukturen, eine nachhaltige Stärkung der kommunalen Eigenfinanzierungskraft sowie ausreichende Fördermittel von Europäischer Union, Bund und Land.“
Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH:
„Corona, Krieg in Europa, Explosion der Inflation, Verknappung der Güter, Mindestlohnanstiege und Ähnliches haben sich auf den Tourismus ausgewirkt. Die Branche hat sich flexibel gezeigt und zusammengehalten. Die größten Chancen liegen daher für mich im Erhalt der Flexibilität und der Kooperationsbereitschaft der Branche. Flexibilität bedeutet unter anderem auch, dass das Konzept von festen Tourismusstrategien für eine definierte Laufzeit infrage zu stellen ist. Der Tourismus sollte freier und den aktuellen Bedürfnissen angepasst reagieren können.“
Prof. Dr. Eric Horster, Deutsches Institut für Tourismusforschung (Fachhochschule Westküste):
„Technologie kann Routineaufgaben in Betrieben übernehmen. Dadurch gewinnen Menschen Zeit für das, was Tourismus besonders macht: persönliche Begegnungen, echte Erlebnisse und gutes Gastgebertum. Es wird zu einer Renaissance der menschlichen Kontakte und Begegnungen kommen. Die Leitidee sollte sein: Routine automatisieren, damit Menschen mehr Zeit für Menschen haben. Wir brauchen mehr Happiness Manager!“
