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Hamburger Ausbildungsbilanz 2022 - Ausbildungsmarkt stabilisiert sich auf niedrigem Niveau


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Handwerkskammer Hamburg

22145 Hamburg

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Hamburg Im Frühjahr 2020, mit Beginn der Corona-Pandemie, legte der Hamburger Arbeits- und Ausbildungsmarkt praktisch eine Vollbremsung hin: Zehntausende Betriebe, hunderttausende Beschäftigte gingen in Kurzarbeit, die Arbeitslosigkeit stieg deutlich an.
Aber auch der Ausbildungsmarkt erlitt in den Jahren 2020 und 2021 spürbare Verluste bei der Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge, wie die nachfolgenden Statements und Tabellen zeigen. Dennoch, die diesjährige Gesamtbilanz hält trotz der herausfordern den Themen für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik das Ausbildungsniveau des Vorjahres.
Bei den dualen Berufsausbildungen gibt es sogar ein leichtes Plus von 282 oder 2,5 Prozent zu verzeichnen. (siehe Tabelle im Download PDF)
„Kontaktverbote, abgesagte Ausbildungsmessen, gestrichene Schulpraktika, Unterrichtsausfall und fehlende persönliche Berufsberatung konnten durch digitale Formate nur in Teilen kompensiert werden. Daher müssen wir gemeinsam und auf allen Ebenen sehr viel mehr Jugendliche und junge Erwachsene für eine berufliche Ausbildung gewinnen, ihnen die klaren Vorzüge und Karrieremöglichkeiten aufzeigen, die sich sehr schnell nach bestandener Prüfung ergeben können“, fassen die wichtigsten Hamburger Ausbildungsakteure auf der gemeinsamen Bilanz-Pressekonferenz zusammen.

Statement Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit

und Ausbildung Hamburg: „Der Hamburger Ausbildungsmarkt ist ein absoluter Bewerbermarkt, denn es gibt deutlich mehr gemeldete Ausbildungsstellen (9.785) als entsprechende Bewerberinnen und Bewerber (6.730), die bei uns gemeldet sind. Unternehmen bieten attraktive, anspruchsvolle, gut bezahlte und zukunftssichere Ausbildungsplätze an.
Gerade für Abiturientinnen und Abiturienten wäre eine berufliche Ausbildung als
Berufseinstieg der absolute Turbo ins Berufsleben: Drei Jahre Ausbildung, anschließend Berufserfahrung sammeln, dann Techniker, Meister bzw. Fachwirt werden oder aber zeitnah ins Studium wechseln. Die Möglichkeiten sind enorm und gelten für Schülerinnen und Schüler mit dem allgemeinen und mittleren Schulabschluss gleichermaßen. Eltern ermutige ich ausdrücklich, ihre Kinder auf die besonders attraktiven Ausbildungsangebote Hamburger Firmen hinzuweisen. Hilfe bei der Berufsorientierung, Unterstützung bei der Berufswahl bis hin zur konkreten Ausbildungsvermittlung bietet die Jugendberufsagentur, die in allen Bezirken informiert, berät und fördert“.

Staatsrat Rainer Schulz:
„Corona-Pandemie, Klima-, Energie- und Rohstoffkrise – die
Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt sind vielfältig und die Ausbildungszahlen haben mit insgesamt rund 17.500 Ausbildungsanfängern auch in diesem Jahr bei weitem noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht. Die Berufsschulen melden jedoch 282 Anfängerinnen und Anfänger in der dualen Ausbildung mehr als im Vorjahr, das ist ermutigend, aber bei weitem nicht genug. Deswegen setzt sich der Senat in gemeinsamer Verantwortung mit den Partnern der beruflichen Bildung dafür ein, dass alle jungen Menschen eine Chance auf Berufsausbildung bekommen. Alle, die in diesem Herbst noch keinen Ausbildungsvertrag abschließen konnten, laden wir ein, sich in den kommenden Wochen für Plätze an unseren berufsbildenden Schulen in der Berufsqualifizierung mit Ausbildungsgarantie - der
Hamburger Brücke in den Ausbildungsmarkt - anzumelden. Wir wollen, dass alle Jugendlichen beruflich gut orientiert die Schule verlassen. Dafür haben wir die Berufsorientierung an den Stadtteilschulen bis Klasse 10 seit 2013 erheblich ausgebaut und werden auch an der gymnasialen Oberstufe das Fach Berufsorientierung ab dem kommenden Schuljahr mit erhöhter Stundenzahl einführen. Denn viele Jugendliche und ihre Eltern sind überrascht: Auch mit einer Berufsausbildung finden auch Abiturientinnen und Abiturienten attraktive Wege in den Beruf, seit letztem Jahr mit der studienintegrierenden Ausbildung in ausgewählten Berufen in Hamburg sogar in Kombination mit dem Bachelor.“

Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg:
"Die Hamburger Wirtschaft bildet nach wie vor mit großem Engagement aus. Es sind die Bewerberinnen und Bewerber, die fehlen. Viele hundert Lehrstellen sind tatsächlich ‚Leerstellen‘ geblieben. Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, werden laut unseres Fachkräftemonitors in 13 Jahren rund 133.000 Fachkräfte am Standort fehlen. Davon 112.000 Fachkräfte mit einer beruflichen Qualifikation. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Wir werden unsere Aktivitäten in Abstimmung mit den allgemeinbildenden Schulen im kommenden Jahr daher deutlich verstärken.
Wir starten eine ‚Berufsorientierungsoffensive‘ mit dem Ziel, alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger über die Attraktivität und die Chancen einer dualen Berufsausbildung zu informieren und sie dafür zu begeistern.“

Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg:
„Die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe steigt. Unsere Börsen verzeichnen weitaus mehr Ausbildungs und Praktikumsplatzangebote als im Vorjahr. Jeder an einer handwerklichen Karriere interessierte Jugendliche kann in Hamburg ein Praktikum oder eine Lehre machen. Positiv ist auch das große Interesse junger Menschen an unseren Berufsinformationsformaten wie dem Future Talk im Riesenrad, den Handwerkswelten sowie an den Azubi- und Praktikums Speed-Datings. Auf die Anzahl der Ausbildungsverträge schlägt sich dies noch nicht nieder.
Wie in den vergangenen beiden Jahren verzeichnen wir auch 2022 immer noch ein Minus im Vergleich zum positiven Spitzenwert im Vor-Corona-Jahr 2019. Fest steht, dass das Handwerk wie kaum eine andere Branche krisenfeste, zukunftssichere Jobs bietet. Im Klimahandwerk ist das offensichtlich. Es gilt aber etwa auch für die Gesundheits- und Lebensmittelhandwerke, die eine wohnortnahe Versorgung sicherstellen. Diese gewinnt künftig sowohl vor dem Hintergrund einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung als auch etwa mit Blick auf politisch gewollte `15-Minuten-Stadt´-Strukturen erheblich an Bedeutung.“

Dr. Philipp Murmann, Präsident UVNord:
„Erfreulich ist, dass nach Zeiten der Pandemie die Unternehmen ihre Ausbildungsaktivitäten wieder deutlicher in den Fokus genommen haben. Der Ausbildungsmarkt kommt wieder in Fahrt – aber das Interesse von jungen Menschen an einer Ausbildung ist durchaus noch steigerungsfähig. Dabei sind die Chancen für die Fachkräfte von morgen aktuell ausgezeichnet, da die Unternehmen einen deutlichen Nachholbedarf an dringend benötigten Fachkräften haben. Es gibt in der Stadt rund 300 verschiedene und vor allem interessante und innovative Ausbildungsberufe. Es ist bestimmt für jeden Jugendlichen etwas dabei! Ich appelliere an die jungen Menschen, die Eltern und an die Schulen nicht müde bei der beruflichen Orientierung zu werden und die berufliche Zukunft mit einem weiten Berufswahlspektrum in die Hand zu nehmen. Die duale Ausbildung ist ein guter Start ins Arbeitsleben und bietet im Anschluss vielfältige Weiterqualifizierungsmöglichkeiten und gute Verdienstmöglichkeiten. In einer politischen Diskussion um eine Ausbildungsgarantie dürfen die Themen Mobilität und Azubi-Wohnen nicht fehlen. Nur so werden wir die Besetzungsprobleme spürbar lösen können. Und dazu gehört auch, dass benachteiligte Jugendliche mit erforderlichen Betreuungs- und Unterstützungsangeboten direkt in eine reguläre Ausbildung münden können.“

Tanja Chawla, Vorsitzende des DGB Hamburg:
„Am Ende des Vermittlungsjahres standen zum 30. September in Hamburg laut Statistik den 700 Ausbildungsinteressierten noch 1.030 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Es gibt jedoch noch etliche Jugendliche mehr, die ein Ausbildungsinteresse in Hamburg bekundet haben. Deren Anzahl geht weit über die zur Verfügung gestellten Ausbildungsplätze hinaus und es ist dringend geboten, diesen Jugendlichen ebenfalls ein Angebot zu machen.
Gleichzeitig klagen die Betriebe über den Fachkräftemangel. Die Lösung dafür liegt deutlich auf der Hand: Die umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie! Das Modell bietet einerseits starke Anreize für einen Ausbau der Ausbildungstätigkeit in den Betrieben und sichert diese gleichzeitig finanziell ab. Betriebe, die sich entscheiden nicht auszubilden, werden durch die Umlagefinanzierung an den Kosten der Ausbildung beteiligt – immerhin profitieren ja auch sie davon, wenn die neuen Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt kommen."

Hardy Krause, Rohlfs Bäckerei Konditorei GmbH:
„Für die Rohlfs Bäckerei Konditorei GmbH, als über 100 Jahre alte Traditionsbäckerei, sind Ausbildung, aber auch berufliche Weiterbildung von je her elementarere Bausteine einer transparenten Firmenphilosophie: Es geht immer um bestehende sichere Arbeitsplätze, eine moderne Produktion und immer auch um die Chance für junge Leute, ein gutes, handfestes und sinnstiftendes Handwerk zu lernen.
Da jeder Bäcker und Handwerker schon immer mit seinen Ressourcen nachhaltig umgehen musste, wurde auch das Bäckerhandwerk und die Ausbildung immer an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst. Somit hat auch die Digitalisierung in der Backstube Einzug gehalten und lässt so für unsere Auszubildenden viel Freiraum, um neue Ideen auszuprobieren und umzusetzen.
Die Ausbildung in unserem Unternehmen ist für unsere Lehrlinge mehr als ein solides Fundament. Denn es ist geprägt von handwerklich wertvoller Arbeit und Tradition, aber auch von modernen Produktionsverfahren, Nachhaltigkeit und Teamgeist. Eine gute Berufsausbildung schmeckt dabei letztlich nicht nur unseren Lehrlingen, sondern auch und besonders unseren Kundinnen und Kunden.

Vor der Bilanz ist auch immer nach der Bilanz und so ermutigen alle Ausbildungspartner die Ausbildungssuchenden der vergangenen Ausbildungsjahre, sich bereits in diesen Wochen um einen möglichen Berufseinstieg zum Februar 2023 zu bemühen: „Bereits jetzt stehen für 2023 insgesamt 5.150 freie Lehrstellen zur Verfügung, davon starten 3.300 im Februar. Diese dürften besonders für die jungen Berufseinsteiger interessant und attraktiv sein, die zum Wintersemester keinen Studienplatz bekommen haben.“

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