Kiel. Die schwache Konjunktur entlastet den Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein derzeit nur scheinbar. Trotz der aktuell gedämpften Arbeitskräftenachfrage verschärft sich der demografisch bedingte Fachkräftemangel weiter und wird die Wirtschaft in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen. Die Zahl der offenen Stellen im Land wird nach Berechnungen des IHK-Fachkräftemonitors von aktuell rund 43.000 auf über 100.000 im Jahr 2035 steigen und sich damit mehr als verdoppeln. Das Sommer-Update des Monitors, das aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen berücksichtigt, verdeutlicht: Der Personalmangel bleibt eine der größten Herausforderungen für die Wirtschaft in Schleswig-Holstein.

Die Situation wird sich auch dadurch verschärfen, dass bis 2035 im nördlichsten Bundesland rund 335.000 Menschen in Rente gehen werden. „Die Verrentungswelle kommt jetzt richtig ins Rollen. Schleswig-Holstein braucht langfristige Fachkräftestrategien. Unternehmen sollten das aktuelle Zeitfenster nutzen, um ihre Personalstrategie weiterzuentwickeln – etwa durch Qualifizierung, Erschließung neuer Zielgruppen, stärkere Mitarbeiterbindung und langfristige Personalbedarfsplanung", betont Maik Dammann, Bildungsreferent der IHK Flensburg.

Anhand der aktuellen Daten wird auch deutlich, welchen Beitrag Migration zur Sicherung des Arbeitskräfteangebotes in Schleswig-Holstein leistet: Ohne Zuwanderung würde sich die Fachkräftelücke bis 2035 um rund 28.000 weitere Stellen vergrößern. Dies wäre ein enormes Wachstumshemmnis und hätte einen kumulierten Wertschöpfungsverlust von rund 59 Milliarden Euro zur Folge.

Der IHK-Fachkräftemonitor ist ein dynamisches, datenbasiertes Instrument, das Arbeitsmarktentwicklungen sichtbar macht und konkrete Handlungsfelder aufzeigt. Für das Sommer-Update wurden die Modellrechnungen umfassend aktualisiert und um ein Szenario zum Thema Zuwanderung ergänzt. Berücksichtigt wurden unter anderem aktuelle Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten, die Auswirkungen des Sondervermögens der Bundesregierung und die Folgen des Iran-Krieges.

Die Ergebnisse sind über ein öffentliches Dashboard einsehbar: ihk-fachkraeftemonitor.de/sh