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Wohnungspolitik: Woran die Wohnungs-Pläne der Ampel kranken


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Baustellen in der Wohnungspolitik gibt es viele: Erst ein genauer Blick in den Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung zeigt, an welchen Stellen noch nachgebessert werden muss. Viele Pläne sind nicht umsetzbar, weil Fachkräfte in der Baubranche fehlen, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). 

Die Ampel-Koalition hat sich wohnungspolitisch ambitionierte Ziele gesteckt:  Ein Fahrplan, wie sich diese realisieren lassen, soll auf dem Wohnungsbau-Tag 2022 vorgestellt werden. Eine IW-Studie im Auftrag der Deutschen Reihenhaus AG bewertet vorab die wichtigsten Maßnahmen im Koalitionsvertrag. 

Bekenntnis zu mehr Wohnungsbau

Die Ampel-Regierung will den Wohnungsbau vereinfachen, digitalisieren und beschleunigen. Rund 400.000 Wohnungen sollen pro Jahr neu entstehen – ein Viertel davon öffentlich gefördert. Damit schnell mehr Wohnraum entsteht, will die Regierung Genehmigungsprozesse vereinfachen, etwa durch die Einführung von Typengenehmigungen für serielles und modulares Bauen. Zwar ist das klare Bekenntnis zu mehr Wohnraum begrüßenswert, doch 400.000 neue Wohnungen überschreiten den Bedarf deutlich – nach IW-Berechnungen sind 308.000 Einheiten ausreichend. Auch die Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus ist kaum zu realisieren, da dies mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden ist. Zudem bremst der Fachkräftemangel den Wohnungsbau: In der gesamten Baubranche können 50 Prozent der Stellen für Fachkräfte nicht besetzt werden, bei Experten (mit Studienabschluss) sind es sogar 73 Prozent. Gelänge es, mehr Fachkräfte für den Bau zu gewinnen, ginge dies wiederum zulasten der notwendigen energetischen Sanierung. Dieser Konflikt wurde bisher von den Regierungsparteien nicht adressiert.

Ambitionierte Ziele für die Modernisierung

Um ihre Klimaschutzziele zu erreichen, will die Regierung das Sanieren stärker vorantreiben und staatliche Förderprogramme ausweiten. Auch eine Verschärfung des Gebäudeenergiegesetzes ist vorgesehen. Steigende energetische Anforderungen drohen allerdings, Baukosten in die Höhe zu treiben – und damit ebenfalls das Wohnungsbauziel zu durchkreuzen. „Die Maßnahmen zur Modernisierung des Gebäudesektors werden nicht reichen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Vielmehr wird ein instrumentelles Gesamtkonzept benötigt, das langfristig Investitionsanreize setzt und das Klimaschutz-Wohnkosten-Dilemma auflöst“, sagt IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer.

Leichterer Zugang zu Wohneigentum

Seit über zehn Jahren stagniert die Wohneigentumsquote in Deutschland. Daher will die Regierung die Hürden beim Immobilienerwerb senken. Hierzu sollen eigenkapitalersetzende Darlehen eingeführt werden, die Haushalte unterstützen, die bislang nicht genügend Kapital zur Begleichung der Erwerbsnebenkosten ansparen konnten. „Dies ist sicherlich ein sinnvolles Instrument, um Selbstnutzern den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern, ohne dass dies mit großen Mehrausgaben für den Staat verbunden ist“, so Voigtländer. „Auch Kreditausfallversicherungen und eine bessere Sparförderung können hier hilfreich sein.“

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