KIEL. Von der Landwirtschaft bis zur Medizin, von der Bildung bis zum Handwerksbetrieb: Die Digitalisierung durchzieht Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung gleichermaßen. Wie vielfältig die Einsatzgebiete sind, beweisen die zahlreichen Digitalisierunginitiativen in Schleswig-Holstein. Besonders herausragende Projekte wurden heute (am 23. September) mit dem Digitalisierungspreis 2026 ausgezeichnet.
Mit den Digitalisierungspreisen würdigt die Landesregierung seit neun Jahren das große Engagement und den Innovationsgeist von Unternehmen, Vereinen, Verbänden, Initiativen und Institutionen, die zur digitalen Transformation des Landes beitragen. Digitalisierungsminister Dirk Schrödter hat bei einer feierlichen Veranstaltung in Kiel sieben Projekte aus Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Die Preise waren in diesem Jahr mit insgesamt 95.000 Euro dotiert.
Der 1. Platz und 25.000 Euro gingen an das Kieler Start-up Silolytics mit seinem KI-gestütztem System zum Silagemanagement, der 2. Platz (15.000 Euro) an den innovativen Datenschutz der anymize GmbH aus Kiel und der 3. Platz (10.000 Euro) an Revolvie aus Kuden (Kreis Dithmarschen) mit einer Software speziell für kleinere Handwerksbetriebe. Neu waren in diesem Jahr die Sonderpreise in den Kategorie Green Coding (25.000 Euro) für Progeek aus Wees im Kreis Schleswig-Flensburg) sowie in der Kategorie Bildung (3 x 6500 Euro) für das Dentability Institut aus Köhn im Kreis Plön, edaira aus Kiel und Softstack aus Flensburg.
"Digitale Technologien sorgen für mehr Wertschöpfung und Fortschritt und schaffen damit direkte Mehrwerte für die Menschen in Schleswig-Holstein. Der Austausch mit Behörden wird schneller und besser, Arbeitsabläufe werden leichter und effizienter. Ich bin beeindruckt, welche kreativen Lösungen für die unterschiedlichsten Herausforderungen von Unternehmen in unserem Land entwickelt wurden – von der Landwirtschaft, über die Medizin bis hin zum Büroalltag. In Schleswig-Holstein sind wir Vorreiter der digitalen Transformation", sagte Minister Schrödter. “Möglich macht dies unser starkes digitales Netzwerk mit zahlreichen Start-ups, aber auch traditionellen Unternehmen und Initiativen. Die Digitalisierungspreise sind eine Anerkennung für ihren Innovationsgeist. Mit den Preisen würdigen wir nicht nur die Qualität der digitalen Lösung, darunter besonders viele Open Source, und das herausragende Engagement aller Beteiligten, sondern machen auch die einzelnen Projekte über die Landesgrenzen hinaus sichtbar. Die Gewinner stehen stellvertretend für den gesamten Digitalstandort Schleswig-Holstein.”
Zu den Preisträgern:
1. Preis: Silolytics GmbH / Kiel:
Das AgriTech-Start-up aus Kiel hat eine Sensor- und Softwareplattform für die Landwirtschaft entwickelt. Der Fokus liegt auf der Optimierung der Silageherstellung, einem zentralen Prozess in der Futterproduktion. Ziel von Silolytics ist es die Silageproduktion datenbasiert, ressourcenschonend und zunehmend automatisiert zu gestalten. Während der Futterherstellung liefert die Software mit Hilfe von Sensoren detaillierte Informationen über Menge und Material im Silo. Damit kann die Produktion schnell angepasst werden, sodass weniger Futter verdirbt. "Während die Landwirtschaft in vielen Bereichen noch vergleichsweise wenig digitalisiert ist, setzt Silolytics auf moderne Datentechnologien in einem wichtigen Wirtschaftszweig für Schleswig-Holstein", begründete die Jury ihre Entscheidung.
2. Preis: anymize GmbH / Kiel
anymize ist eine KI, die Unternehmen ermöglicht, moderne KI-Modelle datenschutzkonform zu nutzen: Es anonymisiert automatisch sensible Daten, z. B. Namen, Adressen oder Patientendaten, bevor sie an die KI gesendet werden. So können besonders Branchen mit strengen Datenschutzregeln, z. B. Medizin, Recht, Beratung Künstliche Intelligenz produktiv einsetzen, ohne gegen die DSGVO oder Geheimhaltungspflichten zu verstoßen.
3. Preis: Revolvie UG / Kuden (Kreis Dithmarschen)
Revolvie ist eine webbasierte Software für kleine Unternehmen, besonders im Handwerk, die dabei hilft, Angebote realistisch zu kalkulieren. Statt Preise nur nach Gefühl festzulegen, berechnet das Tool alle relevanten Kosten wie Löhne, Material und Maschinen automatisch und zeigt direkt, ob ein Auftrag profitabel ist. So können Betriebe fundierte Preise festlegen und vermeiden, unbemerkt Verluste zu machen. Positiv überzeugt hätte die Jury die realitätsnahe Herangehensweise des Projekts: "Gerade in kleineren Betrieben fehlen oft personellen Ressourcen oder die betriebswirtschaftliche Expertise, um ein professionelles Controlling aufzubauen".
Sonderpreis Green Coding: PROGEEK GmbH / Wees (Kreis Schleswig-Flensburg)
Das Projekt "Green Ecolution" ist eine Open-Source-Lösung zur digitalen und datenbasierten Steuerung der kommunalen Bewässerung von Grünflächen: Mithilfe von Bodenfeuchtesensoren werden Echtzeitdaten über LoRaWAN an eine cloud-native Plattform übertragen, die den Wasserbedarf über ein Ampelsystem auf Karten visualisiert und optimierte Bewässerungsrouten erstellt; Kommunen können ihre bestehenden Ressourcen effizienter nutzen, Kosten reduzieren und den gesamten Bewässerungsprozess nachhaltig optimieren.
Sonderpreise Bildung
Dentability Institut GmbH / Köhn (Kreis Plön): Die digitale Lern- und Ausbildungsplattform für zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) soll dem Fachkräftemangel in der Zahnmedizin entgegenwirken. Dentability setzt auf eine moderne, digitale Ausbildung, die Theorie und Praxis eng miteinander verbindet. Über die Plattform lernen Auszubildende direkt im Arbeitsalltag mit praxisnahen Inhalten und werden strukturiert begleitet. Ergänzend gibt es Modelle wie eine "assistierte Ausbildung", die Praxen entlastet und Azubis gezielt unterstützt.
edaira GmbH / Kiel: Im Zentrum von edaIra.ai steht die Neugestaltung des pädagogischen Arbeitsablaufs der Lehrkraft durch einen zentralen Workspace. Dieser bündelt alle digitalen Werkzeuge – von KI-Aufgabengenerierung und Diagnoseassistenz bis hin zu Open-Source-Office-Lösungen – an einem Ort und beendet die Fragmentierung isolierter Datenbestände. Lehrkräfte konfigurieren den KI-Unterstützungsgrad individuell und behalten so die volle pädagogische Entscheidungshoheit bei maximaler administrativer Entlastung. Lernende profitieren von Feedback, während Eltern durch mehrsprachige Unterstützung barrierefrei eingebunden werden.
Softstack GmbH / Flensburg: Der: DaZ Pilot ist eine Lernanwendung zur gezielten Förderung von Fachvokabular im Berufsschulunterricht für Schüler/innen mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) oder Deutsch als Fremdsprache (DaF). Die App verbindet visuelle Objekterkennung, Vokabeltraining und interaktive Übungen in einem praxisnahen Ansatz.Lehrkräfte erhalten über ein Dashboard Einblicke in Lernstände und können den Unterricht gezielt anpassen. Die Lösung ist datenschutzkonform, modular aufgebaut und wird als Open-Source-Projekt entwickelt und veröffentlicht.
Eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierung, des Schleswig-Holsteinischen Städteverbandes, der Digitalen Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH) sowie des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) hat über die Prämierung der besten Initiativen entschieden.
