KIEL. In Schleswig-Holstein gibt es mit einem neuen Grundlagenpapier eine umfangreiche Hilfestellung für Kommunen im Umgang mit sogenannten Problemimmobilien. Im Zusammenhang mit vernachlässigten Mehrfamilienhäusern hat die Technische Hochschule Lübeck (TH Lübeck) gemeinsam mit der Investitionsbank Schleswig‑Holstein (IB.SH) das Papier entwickelt. Es soll Kommunen in Schleswig‑Holstein konkrete Hilfestellungen bieten, um die entsprechenden Immobilien frühzeitig zu erkennen, negative Entwicklungen zu verhindern und betroffene Quartiere wieder zu stabilisieren.
Problemimmobilien sind Gebäude, die entweder nicht richtig genutzt werden oder gravierende bauliche Mängel aufweisen. Solche Missstände können die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner beeinträchtigen und das gesamte Wohnumfeld belasten. Das Papier legt ein strukturiertes Vorgehen in vier Schritten dar: Früherkennung, strategische Vorbereitung, gezielte Stabilisierung und, falls nötig, direkte Eingriffe.
„Problemimmobilien stellen die Kommunen vor Herausforderungen. Der Leitfaden ist daher eine wichtige Ergänzung zu unserem Wohnraumschutzgesetz, um möglichst frühzeitig die Entwicklung zu erkennen und mit allen Akteurinnen und Akteuren wirksam dagegen vorzugehen, damit Missstände gar nicht erst entstehen“, betont Innenministerin Magdalena Finke.
Prof. Dr. Marcus Menzl von der TH Lübeck fasst das Kernprinzip zusammen: „Wissen ohne klare Struktur bleibt wirkungslos, und Struktur ohne die Bereitschaft zu intervenieren ist unglaubwürdig. Nur das Zusammenspiel von Daten, Organisation und entschlossenen Maßnahmen führt zum Erfolg.“
Das Grundlagenpapier enthält auch praxisnahe Werkzeuge, etwa ein integriertes Bestandsmonitoring, das Daten zu Baualter, Eigentümerstruktur und Wohnungszustand zusammenführt. Ein Beispiel aus Bad Schwartau zeigt, wie die Kombination von Wohnungsmarktbeobachtungen und Analysen bereits frühzeitig potenzielle Risikogebiete sichtbar macht. Ein weiteres Beispiel aus Rendsburg verdeutlicht, wie die Festlegung eines Sanierungsgebiets und die gezielte Nutzung von Fördermitteln dazu geführt haben, dass innerhalb von fünf Jahren vier private Sanierungsprojekte realisiert und über 100 Genehmigungen erteilt wurden.
Das Grundlagenpapier richtet sich an Stadt‑ und Gemeindeverwaltungen, Wohnungsunternehmen und alle Akteurinnen und Akteure, die an einer nachhaltigen Wohnraumpolitik mitwirken. Es bietet sofort einsetzbare Handlungsempfehlungen, rechtliche Instrumente wie das neue Wohnraumschutzgesetz und praktische Tipps zur Zusammenarbeit mit Eigentümerinnen und Eigentümern. „Kommunen, die bereits jetzt präventive Strukturen etablieren, können nicht nur Kosten sparen, sondern auch das Vertrauen ihrer Bürgerinnen und Bürger stärken und die Lebensqualität in ihren Quartieren langfristig sichern“, so Finke.
