Die IHK Schleswig-Holstein hat heute (09.06.2026) vor politischen Akteuren in Brüssel ein Modell zum Strom- und Wasserstoffmarkt vorgestellt, das die Nutzung von Erneuerbaren Energien effizienter macht und teure Markteingriffe wie Redispatch und Abschaltungen reduziert. Die zentrale Idee besteht darin, den nördlichsten Teil Deutschlands mit Schleswig-Holstein sowie Hamburg und Westdänemark zu einer Energiezone zu verbinden und dort einen gemeinsamen Strommarkt zu schaffen. So könnten Kosten durch effizientere Energienutzung in ganz Deutschland gesenkt und Platz für weitere erneuerbare Energien geschaffen werden.

 

„Eine solche deutsch-dänische Energiezone nutzt europapolitische Spielregeln in idealer Weise aus. Das Modell böte günstige Voraussetzungen zur wirtschaftlichen Produktion und Vermarktung regional erzeugten Stroms, der stärker vor Ort genutzt würde. Diese Vision reduziert darüber hinaus Systemkosten für ganz Deutschland, stärkt unsere Industrie, sichert die Versorgung mit marktfähigem Wasserstoff und macht uns zum Vorreiter der europäischen Energiewende“, erklärt Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein.

 

Hintergrund des Konzeptes ist die aktuelle Situation auf dem Strommarkt: Der Strompreis ist in ganz Deutschland einheitlich, obwohl sich Erzeugung und Verbrauch regional stark unterscheiden. Besonders im Norden wird durch Windkraft häufig mehr Strom produziert als unmittelbar benötigt wird. Da die Stromleitungen in andere Regionen nicht ausreichend ausgebaut sind, kann dieser Strom nicht immer dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. In der Folge müssen Windkraft- und Solaranlagen zeitweise abgeschaltet werden, während in anderen Regionen gleichzeitig zusätzliche Kraftwerke eingesetzt werden. Dies verursacht unnötige Kosten und belastet das System.

 

Eine gemeinsame Energiezone kann helfen, dieses Ungleichgewicht zu verringern: Strom würde verstärkt dort genutzt, wo er entsteht. Das entlastet die Netze, reduziert Abschaltungen von Anlagen und senkt insgesamt die Kosten. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Wertschöpfung, etwa für die Herstellung von grünem Wasserstoff oder die Umstellung von Produktionsprozessen auf erneuerbare Energien. Langfristig kann dies neue wirtschaftliche Aktivitäten in der Region fördern. Damit wird der weitere Ausbau erneuerbarer Energien gestärkt.

 

Darüber hinaus könnten Eingriffe in das Stromnetz reduziert werden, was zusätzliche Kosten spart. Die Nutzung von heimisch erzeugter Energie würde die Abhängigkeit von Importen verringern. Gleichzeitig eröffnen sich Perspektiven zur besseren Speicherung von Energie, um sie zeitversetzt nutzen zu können. Dadurch wird die Energieversorgung stabiler und Preisschwankungen werden abgeschwächt.

 

Das Konzept wurde durch Analysen des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) mithilfe von Simulationen überprüft und bestätigt. Eine Umsetzung der Idee könnte sofort beginnen und die Inbetriebnahme wäre frühestens ab dem Jahr 2030 möglich.