Flensburg. Schleswig-Holstein und Dänemark wollen ihre Zusammenarbeit in digitalen Zukunftsthemen weiter ausbauen. Die Staatskanzlei und die Dänische Botschaft hatten in dieser Woche zum deutsch-dänischen "GovTech Dialogue" nach Flensburg eingeladen. Dort kamen deutsche und dänische Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft, Technologie und Innovationsökosystemen zusammen, um konkrete Ansätze für eine engere Zusammenarbeit in der öffentlichen Digitalisierung zu diskutieren.

Die Veranstaltung knüpft an bestehende Gespräche und gegenseitige Besuche zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark an und richtet den Blick nach vorn: Zwei starke Partner in Europa bringen komplementäre Erfahrungen ein. Dänemark gilt als Maßstab für eine fortschrittliche, nutzerzentrierte digitale Verwaltung, während Schleswig-Holstein große Erfahrungen bei den Themen digitale Souveränität, Open Source und offene Standards besitzt.

"Dänemark und Schleswig-Holstein verbindet weit mehr als geografische Nähe. Wir teilen den Anspruch, Verwaltung digital, sicher und bürgernah weiterzuentwickeln. Wenn wir Dänemarks Erfahrung mit konsequent nutzerorientierten digitalen Services und Schleswig-Holsteins Weg zu digitaler Souveränität und offenen Standards zusammenführen, dann entsteht daraus ein europäischer Mehrwert. Genau darum geht es: nicht voneinander abzugrenzen, sondern gemeinsam handlungsfähiger zu werden", sagte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter.

Der dänische Generalkonsul Klaus Juel Werner ergänzte: "Da die Digitalisierung immer mehr zu einer Frage der Wettbewerbsfähigkeit und der Sicherheit wird, sollte sie nicht durch nationale Grenzen eingeschränkt werden. Ein fruchtbarer Austausch, wie beispielsweise unsere Veranstaltung in Flensburg, leistet einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung Europas. Dänemark und Schleswig-Holstein sind eng miteinander verbunden, und wir freuen uns besonders, unsere Partnerschaft im Bereich der Digitalisierung weiter zu stärken, in dem Schleswig-Holstein für seinen inspirierenden Ansatz zur digitalen Souveränität hoch anerkannt ist."  

Der GovTech Dialogue zeigte zugleich, dass Zusammenarbeit nicht allein auf Regierungsebene entsteht. Das Event war bewusst im Schulterschluss mit dem ITV.SH auf deutscher und OS2 auf dänischer Seite organisiert, so dass auch Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Ebene Teil des Austauschs waren, genau wie Akteurinnen und Akteure der jeweiligen GovTech-Wirtschaft.

Institutionen auf beiden Seiten der Grenze stehen vor vergleichbaren Herausforderungen – von der Modernisierung öffentlicher Dienste über sichere digitale Infrastruktur bis zur Umsetzung innovativer Lösungen im Verwaltungsalltag. Gerade deshalb können sie voneinander lernen und gemeinsame Projekte entwickeln. Wie konkrete digitale Zusammenarbeit bereits heute aussehen kann, zeigt das Projekt des Amts Föhr-Amrum mit dem dänischen IT-Unternehmen Netcompany. Mit der digitalen Tourismusabgabe wird dort ein bislang stark manueller Verwaltungsprozess in eine nutzerfreundliche, durchgängige digitale Lösung überführt. Das Vorhaben entlastet Verwaltung und Unternehmen gleichermaßen und zielt zugleich darauf ab, standardisierbare Lösungen zu entwickeln, die auch für andere Kommunen in Schleswig-Holstein nutzbar sind.

Dieses und andere vorgestellten Beispiele und Diskussionen machten deutlich: Der Austausch liefert nicht nur Impulse, sondern auch konkrete Ideen für die weitere Zusammenarbeit. Schleswig-Holstein und Dänemark wollen diesen Dialog fortsetzen und die entstandenen Kontakte nutzen, um aus gemeinsamen Interessen konkrete Kooperationen zu machen. Damit positioniert sich der deutsch-dänische GovTech-Austausch als weiterer Baustein einer engeren digitalen Partnerschaft im Norden Europas. Aus Sicht der Landesregierung bieten sich für die nächste Phase der Zusammenarbeit insbesondere gemeinsame Projekte in den Bereichen Verwaltungsdigitalisierung, Cybersicherheit und Open-Source-Technologie an.