Neumünster. Das Glaserhandwerk kämpft um Nachwuchs: Nur sieben neue Gesellen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. „Ich bin nicht nur interessiert, sondern imponiert.“ So lobte Schleswig-Holsteins Arbeits- und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen die kunstvollen Buntglasarbeiten der jungen Glaserinnen und Glaser. Im Geschichtserlebnisraum „Roter Hahn“ in Lübeck erhob Landesinnungsmeister Robin Burmeister am Freitag, 28. August, sechs Nachwuchskräfte der Glaserinnungen Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns offiziell in den Gesellenstand. Die im ehemaligen Kloster ausgestellten Gesellenstücke zeigten die gestalterische und handwerkliche Bandbreite des Glaserhandwerks. Robin Burmeister nutzte die Feier, um für sein Gewerk zu werben: „Das Glaserhandwerk muss wieder sichtbar werden.“ Noch immer entschieden sich vergleichsweise wenige junge Menschen für eine Ausbildung. Dabei sei der Beruf unverzichtbar und zugleich so anspruchsvoll und individuell, dass er sich nicht ohne Weiteres durch Robotik oder Künstliche Intelligenz ersetzen lasse.
Wie vielseitig der Werkstoff ist, zeigen die täglichen Aufgaben der Glaser. Glas kann hauchdünn und filigran verarbeitet werden oder als Sicherheits- und Panzerglas extremen Belastungen standhalten. Es ist klar oder satiniert, farbig oder verspiegelt, wärme- und schalldämmend oder einbruchhemmend. Diese Vielfalt verlangt Präzision, Erfahrung und handwerkliches Können.
Besonders beeindruckten die ausgestellten Gesellenstücke: Die jungen Handwerker hatten kunstvolle Buntglasarbeiten geschaffen. Dafür werden passgenau zugeschnittene farbige Glasstücke mit schmalen Bleiprofilen – sogenannten Bleiruten – zu einem Motiv verbunden. Die jahrhundertealte Technik prägt bis heute Kirchenfenster und hochwertige kunsthandwerkliche Verglasungen.
„Beim Handwerk zählt nicht nur die Hand, sondern auch der Kopf“, sagte der Minister. Mit Blick auf den Fachkräftemangel bezeichnete er die Entwicklung als „beängstigend“. Zugleich bekannte er sich als „riesiger Fan des Handwerks“, denn die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft werde nur mit dem Handwerk gelingen. Den jungen Gesellen gab er mit auf den Weg: „Gründet Unternehmen. Und seid stolz auf euren Beruf.“
Michael Blau, Leiter der Berufsschule am Priwall in Lübeck, würdigte die Leistungen: “Ihr habt gelernt, Probleme nicht einfach wegzuklicken. Handwerk ist Reduktion auf Qualität, die immer bleibt.” Als erster Landessieger wurde Jannes Preisner aus Kiel ausgezeichnet. Seine Ausbildung absolvierte er bei der Glaserei Pries in Kiel. Über ein Praktikum entdeckte der 19-Jährige den Beruf und lernte dessen Vielfalt zu schätzen. Ob Fensteraustausch, Reparaturen oder der Einbau maßgefertigter Ganzglasduschen - jeder Tag bringe neue Aufgaben an unterschiedlichen Einsatzorten. “Wenn ein Kunde zufrieden ist, dann freue ich mich”, sagte Preisner. Dass das Glaserhandwerk häufig ein Nischendasein führe, könne er nicht nachvollziehen."Glas ist ein sehr schöner und vielfältiger Werkstoff", meinte er. Zweite Landessiegerin und Notenbeste wurde Kaya Schöning (21) aus Bremen. Sie lernte bei der Glaserei Raub in Süderbrarup. Den dritten Platz belegte Gabriel Wjatkin (22) aus Neumünster (Glaserei Manske, Bad Bramstedt). Foto: 1 Sieben Handwerker aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind nun Glasergesellen. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (rechts) begleitete die Freisprechung, die Landesinnungsmeister Robin Burmeister (Zweiter von rechts) leitete.
