Neumünster. Warum eine zweite Ausbildung sinnvoll sein und wann sogar Schule Spaß machen kann, schildern zwei junge Gesellen. „Anstatt Schritte zu zählen, transportiert ihr Material. Statt Fitness-Influencern zu folgen und Muskeln aufzubauen, errichtet ihr Gebäude – und seid nebenbei noch Klimaretter.“ Mit diesem augenzwinkernden Vergleich sorgte Obermeister Bernd Ewert bei der Freisprechungsfeier der Baugewerbe-Innung Neumünster für Schmunzeln. In den Räumen der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein an der Wasbeker Straße erhielten die Absolventen ihre Gesellenbriefe und Prüfungszeugnisse. Von den insgesamt 28 Fachkräften waren 18 Zimmerer und zehn Maurer. Bernd Ewert würdigte ihre Leistungen und betonte die Bedeutung des Miteinanders: „Ihr habt bewiesen, dass ihr euer Handwerk beherrscht. Am Bau entsteht nichts von allein. Der Maurer braucht den Zimmerer, der Zimmerer braucht den Maurer. Und: Qualität am Bau ist mehr als Fachwissen. Sie ist auch Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen.“ Gute Handwerker zeichneten sich nicht allein durch Zertifikate aus, sondern durch Erfahrung, Anpacken und die Bereitschaft, jeden Tag etwas besser zu werden. „Ihr seid jetzt Fachkräfte. Ihr gestaltet unsere Städte, unsere Dörfer und unsere Zukunft“ , verdeutlichte der Obermeister. Gerade angesichts des großen Sanierungs- und Modernisierungsbedarfs würden Menschen gebraucht, die Probleme erkennen und Lösungen schaffen.
Sanierungsbedarf schafft Sicherheit Als bester Maurer seines Jahrgangs wurde der 20-jährige Noah Bennet Jöhnk aus Wasbek ausgezeichnet. Er lernte bei Piper Hochbau in Wasbek. Vor seiner Entscheidung für das Maurerhandwerk absolvierte Jöhnk mehrere Praktika – unter anderem im Handwerk, in der Pflege sowie im Garten- und Landschaftsbau. „Das Maurerpraktikum hat mir am meisten Spaß gemacht“, berichtete er. Besonders schätze er Teamwork und die körperliche Arbeit. „Und ich bin nicht in einem Büro eingeengt, sondern habe meistens den freien Himmel über mir“, so der Maurer. Zunächst möchte er bei seinem Ausbildungsbetrieb bleiben.
Zukunftssorgen macht er sich nicht, denn angesichts des großen Sanierungsbedarfs sei er überzeugt, dass das Handwerk auch künftig dringend gebraucht werde. Auch die Berufsschule habe ihm mehr Freude bereitet als die allgemeinbildende Schule, erklärte Noah Jöhnk: „Lernen für die Lehre hat mir viel mehr Spaß gemacht und die Tage kamen mir nicht so lang vor.“
Von der Feuerwehr in den Dachstuhl Als innungsbester Zimmerer wurde Mathis Albers ausgezeichnet. Der 24-Jährige lernte bei Hildebrandt und Meier in Neumünster. Nach dem Abitur absolvierte Albers zunächst eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Bei der Berufsfeuerwehr Flensburg kam er mit dem Handwerk in Berührung. „Da habe ich festgestellt, dass ich richtig Lust auf Handwerk habe. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, noch einmal umzusatteln“ , sagte er. Zunächst möchte Albers Berufserfahrung sammeln, anschließend die Meisterschule besuchen. Später kann er sich auch die Führung eines eigenen Betriebs vorstellen. Besonders schätzt er die Vielseitigkeit des Berufs und den Werkstoff Holz, Mathis Albers: „Es geht um Kundengespräche, den Innenausbau, Dachstühle, Reparaturen und Altbausanierungen. Man muss immer individuelle Lösungen finden – das ist reizvoll.“ Stolz macht ihn vor allem das fertige Ergebnis: „Der schönste Moment ist, wenn man das Endprodukt sehen kann.“ Auch den Zusammenhalt im Handwerk hat Albers als besonders positiv erlebt. „Die gegenseitige Unterstützung unter den Kollegen ist für mich ein wichtiger Teil des Berufs“, so der Zimmermann.
Foto: Sie sind die besten Absolventen ihres Jahrgang: Maurer Noah Bennet Jöhnk und Zimmermann Mathis Albers
