Die konjunkturelle Lage in Schleswig-Holstein verschlechtert sich zu Jahresbeginn 2026 deutlich. Der Konjunkturklimaindex fällt spürbar von 95,4 auf 83,9 Punkte und liegt damit klar unter dem langjährigen Durchschnitt von 106 Punkten. Die aktuelle Geschäftslage und vor allem die Erwartungen der Unternehmen geben nach: Nur noch 22 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut, während der Anteil mit negativer Einschätzung auf 26 Prozent steigt. „Gerade auch die derzeitigen geopolitischen Entwicklungen ergeben in vielen Branchen für die Unternehmerinnen und Unternehmer unkalkulierbare Risiken“, sagt Thomas Buhck, Präsident der IHK Schleswig-Holstein. 

Lediglich zwölf Prozent der Unternehmen rechneten in den kommenden zwölf Monaten mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, dagegen erwarteten 38 Prozent eine Verschlechterung. „Die Unternehmen brauchen jetzt endlich verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Entlastungen, um den Wirtschaftsstandort am Laufen zu halten“, so Buhck. „Eine vorgezogene Unternehmenssteuerreform und eine bereits im Koalitionsvertrag versprochene Absenkung der Stromsteuer für alle Verbraucher wären wirksame Signale der Bundesregierung“, so Buhck.

Branchenübergreifend zeigt sich ein deutlich eingetrübtes Stimmungsbild: Viele Unternehmen berichten von angespannten Erträgen, insbesondere infolge weiterhin hoher Kosten für Energie, Personal und Vorleistungen. Vor allem in der Industrie, im Handel sowie in Transport und Logistik belasten diese Kostenstrukturen die Ergebnisse erheblich. Gleichzeitig bleibt die Nachfrageseite sowohl im In- als auch im Ausland schwach und setzt Handel und industrielle Hersteller gleichermaßen unter Druck. Zwar stehen einige Bereiche – etwa Teile der Bauwirtschaft und der Dienstleistungssektor – aktuell noch solide beziehungsweise stabil da, doch fallen die Erwartungen auch dort deutlich pessimistischer aus. Insgesamt überwiegen somit branchenübergreifend zurückhaltende Geschäftsaussichten, angespannte Ertragslage und eine hohe Unsicherheit.

Die Risikowahrnehmung der Unternehmen hat im ersten Quartal spürbar zugenommen. Mit 67,9 Prozent stuft eine große Mehrheit der Betriebe die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Geschäftsrisiko ein. Ausschlaggebend sind anhaltende Unsicherheiten infolge von Haushaltsdiskussionen, regulatorischen Änderungen und geopolitischen Spannungen. Stark im Fokus stehen zudem die Energie- und Rohstoffpreise, die von 64,8 Prozent (Vorquartal nur 42,0 Prozent) der Unternehmen als Risiko genannt werden – im Produzierenden Gewerbe sind es sogar 78 Prozent. Preisvolatilität auf den Weltmärkten, neue Lieferengpässe und Unsicherheiten im Energiehandel treiben die Kosten erneut nach oben.

Weitere zentrale Risikofaktoren sind die hohen Arbeitskosten (52,3 Prozent) sowie eine schwache Inlandsnachfrage (49,6 Prozent), auch wenn deren Bedeutung zuletzt leicht abgenommen hat. Der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Problem, verliert jedoch kurzfristig an Gewicht: Aktuell sehen ihn 41,8 Prozent der Unternehmen als Geschäftsrisiko – begünstigt durch eine etwas entspanntere Arbeitsmarktlage und zurückhaltende Neueinstellungen.

Für die Konjunkturumfrage im ersten Quartal 2026 haben die IHKs Flensburg, Kiel und Lübeck rund 3.400 Unternehmen in ihren Bezirken angesprochen. 898 haben sich an der Umfrage beteiligt und ihre Einschätzungen geteilt. Das entspricht einer Rücklaufquote von 26 Prozent.

Weitere Informationen und Grafiken sowie immer die aktuellen IHK-Konjunkturberichte finden Sie unter: www.ihk.de/sh/konjunkturbericht