Neumünster. Mit der feierlichen Freisprechung hat die Innung des Baugewerbes Neumünster am Donnerstag 15 neue Gesellen im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk in den Berufsstand aufgenommen. Nach bestandener Abschlussprüfung nahmen die jungen Handwerker nun von Obermeister Bernd Ewert ihre Gesellenbriefe entgegen.
Eindringliche Worte fand Fliesenlegermeister René Marquardt, Mitglied des Prüfungsausschusses und Obermeister der Baugewerbeinnung Westholstein. Er machte den jungen Gesellen deutlich, welche Bedeutung ihr Beruf habe. „Ich finde, wir Fliesenleger haben einen der schönsten Berufe der Welt. Wir verwandeln einen Rohbau in ein Zuhause. Wir schaffen aus Beton und Estrich Räume, in denen Menschen leben, lachen und ihren Alltag verbringen." Zugleich verschwieg Marquardt nicht die Herausforderungen des Berufs: Baustellen würden nicht immer nach Plan laufen, Rückschläge gehörten ebenso dazu wie schwierige Entscheidungen. Gerade diese Erfahrungen prägten einen Handwerker. „Auch wenn der Weg manchmal steinig ist, sind es gerade die steinigen Wege, die euch formen", sagte er. Sein Appell an die neuen Gesellen: Sie sollten stolz auf ihren Beruf sein und diese Begeisterung weitergeben. Das Handwerk brauche Nachwuchs – nicht nur helfende Hände, sondern Menschen, die mit Herz, Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein arbeiteten, René Marquardt: „Ein guter Handwerker zu sein, entscheidet sich durch Haltung."
Unter den 15 Absolventen war Michelle Petersen aus Osterrönfeld die einzige Frau. Die 28-Jährige absolvierte ihre Ausbildung bei Bad & Meer in Büdelsdorf, Inhaber Andreas Patzies. Den Weg ins Handwerk wählte sie bewusst: Zuvor hat sie als Groß- und Außenhandelskauffrau im Fliesengroßhandel gearbeitet und es reifte der Wunsch nach Praxis. „Um als künftige Bauleiterin wirklich gut zu sein, hat mir die praktische Erfahrung gefehlt", sagte Petersen. Mit dem erfolgreichen Abschluss fühle sie sich nun „komplett".
Ihr nächstes Ziel stehe bereits fest: Sie möchte die Meisterprüfung ablegen und später den Betrieb übernehmen.
Dass Frauen ihren Platz im Handwerk haben, davon ist Petersen überzeugt. Sie brächten häufig strukturiertes Denken mit und behielten den Überblick. Gleichzeitig müssten sie sich in der nach wie vor männerdominierten Branche behaupten. „Frauen sollten sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen", meinte sie. Gerade daran wachse man persönlich. Wer eher zurückhaltend sei, lerne mit der Zeit, sich durchzusetzen, Grenzen zu ziehen und selbstbewusst aufzutreten. Aufgrund ihrer kaufmännischen Ausbildung konnte sie das erste Lehrjahr überspringen.
Als bester Absolvent seines Jahrgangs wurde der 22-jährige Eric Boyens aus Bordesholm ausgezeichnet. Er absolvierte seine Ausbildung bei VB Sanierung und Modernisierung in Hoffeld, Inhaber Viktor Becker. An seinem Beruf schätzt Eric Boyens vor allem, dass das Ergebnis der eigenen Arbeit sichtbar ist. Eine Lieblingsdisziplin unter den verschiedenen Verlegearten hat er nicht. „Gerade die Vielfalt macht den Reiz des Berufs aus", meinte er.
Wer Fliesenleger werden wolle, sollte feinmotorisches Geschick, logisches Denken und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen, so der Jahrgangsbeste. Das Gespür für Symmetrie und Ästhetik entwickle sich während der Ausbildung immer weiter. Für ihn ist eine Arbeit dann gelungen, wenn sie sauber ausgeführt ist. Sein geschulte Blick begleitet ihn inzwischen auch im Alltag: „Mittlerweile fallen mir immer mehr Fehler auf, wenn ich irgendwo verlegte Fliesen sehe, auch zu Hause."
