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Existenzgründung: Glücklich mit den Alpakas


Eigentlich ist die 33-jährige Wedelerin von Beruf eine gelernte Erzieherin und spezialisierte Entspannungspädagogin. „Aber ich träumte immer schon von einem eigenen Hof, auf dem ich Kindern sozialpädagogisch unter Einbeziehung von Tieren helfen kann, insbesondere Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, dem sogenannten ADHS-Syndrom. Dafür habe ich auch eine Spezialfortbildung für die Elternberatung gemacht“, berichtet Nina Hartmann. Die Wirklichkeit sah jedoch erstmal anders aus. Ihr Mann und sie bekamen zwei Söhne und sie entschied sich, die Berufstätigkeit zugunsten der Familienarbeit für ein paar Jahre aufzugeben. Inzwischen sind die Kinder sechs und neun Jahre alt – die richtige Zeit, so befand die junge Mutter, um wieder ins Berufsleben einzusteigen. Und da war er wieder, dieser Traum!

Neueinstieg in das Berufsleben

„Ich dachte, wenn nicht jetzt, wann dann? So habe ich recherchiert, mich informiert, schließlich sogar auf Honorarbasis eine Tätigkeit aufgenommen bei einer Tiertherapeutin in Holm, die mit Alpakas arbeitet und mit der ich heute kooperiere. Schnell war mir klar, dass ich meine tierpädagogische Arbeit auch mit Alpakas machen möchte“, erzählt Hartmann. Die Tiere seien aus ihrer Sicht besonders gut geeignet, um Beziehungen aufzubauen, Impulse zu kontrollieren und non-verbale Kommunikation zu verstehen und zu achten. Als Grund nennt sie ein paar Beispiele: „Alpakas strahlen Ruhe aus, die sich überträgt. Sie wirken anziehend, weil sie niedlich sind und Jedermann sie streicheln möchte. Aber, obwohl Herdentiere, sind Alpakas eher zurückhaltende Einzelgänger. Deshalb erfordert und fördert die Kontaktaufnahme zu ihnen Geduld und Einfühlung. Darüber hinaus begünstigt das Füttern und Ausführen der Tiere die körperliche Aktivität und weckt das Verantwortungsbewusstsein. Insgesamt kann man sagen, wirkt sich der Umgang mit den Tieren positiv auf das Sozialverhalten, die kognitive Kompetenz und die lebenspraktischen Erfahrungen der Kinder aus und stärkt so auch ihr Selbstbewusstsein.“ Aber auch Erwachsene würden laut Hartmann von dem Umgang mit den Alpakas profitieren, könnten zum Beispiel Stress abbauen. Deshalb gehören auch sie zu ihrer Zielgruppe.

Zwei Beratungen bei der WEP

Mit ihrer Idee meldete sich Nina Hartmann im Herbst 2021 bei der WEP in der Beratungsstelle Frau & Beruf. Beraterin Martina Pichon war begeistert, nicht zuletzt, weil sie selbst ein großer Alpaka-Fan ist. Nach einem ausgiebigen Gespräch bestärkte sie Hartmann, das Vorhaben anzupacken. Dazu riet sie ihr, sich von der WEP Existenzgründungsberatung unterstützen zu lassen. Gesagt, getan. Sie bekam eine Beratung im Rahmen der Startbahn:Existenzgründung und hatte außerdem das Glück, an dem letzten Gründungscamps dieses auslaufenden Förderprojektes teilnehmen zu können. „Und das war richtig gut und praxisnah. Dort habe ich bei Herrn Juncker und seinen Fachreferenten all das Kaufmännische und vieles andere wie Online-Marketing oder Rechtliches gelernt, wovon ich als Erzieherin natürlich nichts wusste. Und der Businessplan, den ich dort geschrieben habe, ist noch heute ein wichtiger Fahrplan für mich.“

Der langgehegte Traum wird schrittweise wahr

Hartmann hatte sich entschieden, erst einmal mit drei Alpakas und einer Pachtweide zu beginnen und das Hofprojekt gemeinsam mit der Familie in einem späteren Schritt anzugehen. Gestartet ist sie im Juni dieses Jahres auf einer Weide mitten in Holm. Das nötige Kapital von rund 8000 Euro für die Herrichtung der Weide und die Anschaffung von drei Alpakas aus einer süddeutschen Zucht konnten Hartmann und ihr Mann aus Eigenmitteln aufbringen. „Deshalb brauchte ich auch keine Mikrokreditberatung von der WEP“, erzählt Hartmann. Eine finanzielle, aber auch emotionale Herausforderung gab es für die Gründerin aber doch. „Kinder aus der Nachbarschaft hatten Thuja-Zweige auf die Weide geworfen, um die Tiere zu füttern. Das ist aber Gift für die Tiere. Ein Alpaka ist daran elendig zugrunde gegangen und wir mussten ein neues Tier kaufen“, erinnert sich Hartmann wehmütig.  

Verschiedene tierpädagogische Angebote

Seit September sind Frederick, Caramello und Karlsson nun nach ihrer Ausbildung im Einsatz und Nina Hartmann ist glücklich mit ihren mittlerweile 14 Monate alten Alpakas, denn das Interesse an ihrem tierpädagogischen Angebot unter dem Motto „Gemeinsam Gelassenheit erleben“ wächst, vor allem bei Familien, Tagesmutter- und Kita-Gruppen. „Meine Alpakas kennen den nahen Kontakt zu kleinen Kindern inzwischen und sind deshalb und wegen ihres friedlichen, neugierigen Wesens besonders gut geeignet, die tierpädagogische Arbeit mit den Kleinen zu unterstützen“, hebt Hartmann hervor. Buchbar sind verschiedene tiergestützte Angebote:

  • Auszeiten auf der Weide für Familien und Erwachsene. Dabei können die Alpakas beobachtet, gemeinsam gehalftert, über die Wiese geführt und aus der Hand gefüttert werden. Auch ein Picknick ist möglich.
  • Alpaka-Führerschein für Grundschulkinder. Er besteht aus einem Theorie- und einem Praxisteil.
  • Geführte Spaziergänge unterschiedlicher Zeitdauer in die Marsch für Klein und Groß
  • Individuelle Gruppenangebote für Klein und Groß
Außerdem gibt es Alpaka-Seifen zu kaufen. „Die Alpakas werden genau wie Schafe geschoren, und ihr Fell wird ebenso zu Wolle und in Seifen verarbeitet“, erklärt Nina Hartmann den willkommenen Zusatznutzen.

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